Mehr als 15 Prozent der Deutschen haben Erstimpfung gegen SARS-CoV-2 erhalten

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 12. April 2021

In Deutschland haben mehr als 15 Prozent der Menschen eine Erstimpfung gegen SARS-CoV-2 erhalten. Das geht aus Daten hervor, die das Robert-Koch-Institut vorgestern veröffentlichte. Demnach waren 15,2 Prozent in Deutschland mindestens einmal geimpft, das sind 12,7 Millionen Menschen (Da­tenstand 10.4., 8 Uhr). 5,9 Prozent (4,9 Millionen Menschen) hatten schon eine Zweitimpfung erhalten.

Mehreren Untersuchungen zufolge gibt bereits die erste Impfung einen gewissen Schutz. Nach einer bri­tischen Studie verhinderten die Coronaimpfstoffe von Biontech/Pfizer und Astrazeneca nach der ersten Dosis mehr als die Hälfte aller zu erwartenden Infektionen bei Pflegeheimbewohnern.

Nachdem die Hausarztpraxen in die Coronaimpfungen eingestiegen waren und auch mehr Impfstoffe zur Verfügung standen, hatte sich die Zahl der Impfungen in der vergangenen Woche pro Tag stark erhöht auf über 700.000 am vergangenen Donnerstag, danach sank sie wieder.

Am vergangenen Mittwoch waren in den meisten Bundesländern die Impfungen in den 35.000 teilneh­menden Hausarztpraxen gestartet. Das Impftempo in den Praxen könnte allerdings bald wieder etwas ins Stocken geraten. Denn seit längerem ist bekannt, dass die Impfstoffmenge für die Praxen Mitte April vorübergehend geringfügig zurückgeht, bevor sie wieder steigt.

Die Lage in den Kliniken sei trotz mehr Impfungen zutiefst besorgniserregend, hatte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx Ende der vergangenen Woche gewarnt. Es gebe einen ungebremsten und dramatischen Anstieg der Zahl von COVID-19-Patienten. Deutschland dürfe nicht auf den letzten Metern Menschen gefährden – kurz bevor sie durch eine Impfung geschützt werden könnten, sagte er.

Seit Mitte März steigt die Zahl der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen an. Gestern wurden dort 4.585 Coronakranke behandelt, wie die DIVI mitteilte. Das ist ein weiterer Höchststand seit Beginn des derzeitigen Anstiegs Mitte März.

Derzeit geben laut DIVI weniger als 400 von 1.333 Intensivstationen einen regulären Betrieb an, das bedeutet etwa, keine Operationen zu verschieben oder keine Patienten auf andere Stationen verlegen zu müssen.

„Das entspricht heute schon wieder der Betriebssituation wie auf dem absoluten Hochpunkt der zweiten Welle – und wir sind noch lange nicht auf dem der dritten angekommen, die für die Intensiv­stationen noch mindestens zwei Wochen rollen wird“, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis.

„Wir haben deutlich weniger betriebsbereite Betten als noch vor einem Jahr. Das liegt vor allem am Pfle­ge­kräftemangel“, erläuterte DIVI-Sprecherin Nina Meckel. „Die Intensivpflegekräfte sind nach einem Jahr kompletter Dauerbelastung psychisch und physisch am Ende.“ Auf den Stationen kämen zudem noch Operationen hinzu, die zuvor verschoben worden seien. © dpa/aerzteblatt.de


/picture alliance, Uwe Zucchi

1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen