London rudert bei Impfpflicht für medizinisches Personal zurück

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 1.2.2022


Die britische Regierung ist bei der geplanten Impfpflicht für medizinisches Personal in Eng­land zurückgerudert. Großbritanniens Gesundheitsminister Sajid Javid kündigte gestern Abend in London an, die Pläne zu über­prüfen und bei den medizinischen Behörden neue Daten anzufordern. Er ließ durch­bli­cken, die Impfpflicht nicht mehr als notwendig anzusehen.

Medien hatten gestern bereits zuvor berichtet, die konservative Regierung von Premierminister Boris Johnson wolle das umstrittene Vorhaben aufgeben. Ursprünglichen Plänen zufolge sollten Pflegekräfte vom 1. April an zwei Impfungen nachweisen müssen. Die mutmaßliche Kehrtwende wird von der Regie­rung damit begrün­det, dass die Auswirkungen der Omikron-Variante deutlich milder seien als befürchtet.

Die Impfpflicht für das Personal des englischen Gesundheitsdiensts NHS wurde beschlossen, als die Del­ta-Variante dominierte. Diese führte zu deutlich mehr Einweisungen in Krankenhäuser. Kritiker befürch­ten, das ohnehin überlastete Gesundheitssystem werde bei einer Impfpflicht auf einen Schlag 80.000 Mitarbeiter verlieren.

Etliche Abgeordnete in Johnsons Tory-Partei hatten großen Widerstand dagegen geleistet. Johnson, der wegen Lockdown-Partys in der Downing Street massiv unter Druck steht, ist auf die Unterstützung von konservativen Hinterbänklern angewiesen. Ansonsten droht ihm ein Misstrauensvotum.


/picture alliance, empics, Peter Byrne

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