Lolli-Test für SARS-CoV-2 in Schulen und Kitas effektiv und gut durchführbar

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 31. August 2021


In Schulen und Kindertagesstätten hat sich das SARS-CoV-2-Screening mittels RT-qPCR-Tests aus gepoolten Speichelproben (Lolli-Tests) als praktikable Methode erwiesen, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten. Das zeigt eine multizentrische Studie mit fast 4.000 Teilnehmenden in Deutschland, die in Lancet EClinicalMedicine veröffentlicht wurde (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.101082).

Im Rahmen der Studie haben Forschende unter Federführung der Uniklinik Köln, Kinder und Jugendliche sowie Personal von Kitas und Schulen an fünf Standorten (Düsseldorf, Heidelberg, Homburg, Köln, Mün­chen) in 14 Bildungseinrichtungen in Deutschland getestet. Die Tests starteten am 9. November 2020 über einen Zeitraum von 3 bis 10 Wochen und wurden 2- oder 3-mal pro Woche durchgeführt.

Der Zufall entschied über eine von zwei Abstrichmethoden: oropharyngeale Abstriche oder Wangenab­striche im Vergleich zu Speichelabstrichen mit der Lolli-Methode. Von 3.970 Teilnehmenden wurden insgesamt 21.978 Abstriche genommen und in 2.218 gepoolten RT-qPCR-Tests zusammengefasst.

Mithilfe gepoolter Tests einer ganzen Gruppe oder Klasse wurden 36 Fälle von SARS-CoV-2 detektiert. Dabei traten in einer einzigen Sekundarschule 17 der 36 Fälle (47 Prozent) auf, was auf eine hohe Be­lastung asymptomatischer SARS-CoV-2-Fälle in der betreffenden Schule und Gemeinde hindeutet.

Die Lolli-Tests zeigten sich gleichwertig zu konventionellen PCR-Rachenabstrichen (14 versus 15 Fälle; 1-3 % versus 1-3 %; Odds Ratio 1,1; 95 %-CI 0,5-2,5). Im Verlauf konnten keine Folgeinfektio­nen in den Gruppen nachgewiesen werden. Jedoch spielte die aktuell verbreitete Delta-Variante des Virus zum damaligen Zeitpunkt noch keine Rolle im Infektionsgeschehen.

Die Studie zeigt deutlich, dass der Lolli-Test durch seine unkomplizierte Art der Probengewinnung eine hohe Akzeptanz an Schulen und Kitas genießt. Nur 0,5 % der Teilnehmenden beendeten die Studie vorzeitig.

„Wir gehen davon aus, dass wir mit der hier vorgestellten Methode eine höhere Sensitivität als mit den vielerorts angewendeten Antigenschnelltests erzielen. Zudem wird den Schülerinnen und Schülern sowie dem Schulpersonal das eigentliche Testen und die Testauswertung abgenommen und in zertifizierten Laboren durchgeführt“, erklärte Alexander Joachim, Mitarbeiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln und Erstautor der Studie.

Basierend auf der nun publizierten Studie werden seit Mai 2021 in Nordrhein-Westfalen alle 700.000 Grund- und Förderschüler nach dem Lolli-Prinzip getestet.

Die Bundesärztekammer (BÄK) und Fachleute des BÄK-Pandemierats unterstützen den vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlenen bundesweiten Einsatz von PCR-Lollitests an Kitas und Schulen. Bisher haben jedoch die wenigsten Bundesländer dieses Testkonzept eingeplant, wie eine Umfrage des ARD-Politikma­gazins Monitor ergab. Bundesländer wie Brandenburg und Berlin führen eigene Pilotprojekte zum Ein­satz von Lollitests durch.

Vorghehensweise für Delta-Variante prüfen

Eine weitere Besonderheit der Studie stellt der Umgang mit Kontaktpersonen dar. Wenn in einer Gruppe oder Klasse ein SARS-CoV-2 positives Kind nachgewiesen wurde, konnten alle negativ getesteten Perso­nen die Einrichtung weiterhin besuchen, auch wenn sie vom Gesundheitsamt als Kontaktperson einge­stuft wurden.

Lediglich das positiv getestete Kind und Familienangehörige mussten in Quarantäne gehen. In der eng­maschigen Nachbeobachtung wurden keine Folgeansteckungen nachgewiesen. Derzeit laufende Studien müssen jeodch zeigen, ob mit der Delta-Variante genauso verfahren werden kann, geben die Autoren der Studie zu Bedenken.

In der Detailanalyse der gefundenen Fälle konnten die Forschenden zudem zeigen, dass Kinder und Ju­gendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Sozialraumgebieten ein erhöhtes Risiko für eine Infek­tion aufwiesen. Diese Erkenntnisse decken sich mit internationalen Beobachtungen. Zusätzliche Informa­tions- und Impfangebote für diese Gesellschaftsgruppen seien daher notwendig.

Die Studie wurde durch die Uniklinik Köln und die Medizinische Fakultät sowie das Netzwerk Universi­täts­medizin (NUM) initiiert und geleitet. Die Förderung erfolgte durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).


Für die Pool-Testung mittels Lolli-Prinzip liegen nun Daten vor, die das Konzept positiv bewerten. /picture alliance, Roland Weihrauch

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