Lob und Kritik für Coronabeschlüsse von Bund und Ländern

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 10.1.2022


Die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Eindämmung der Coronapandemie vom vergangenen Freitag sind auf ein geteiltes Echo gestoßen. Für Coronainfizierte und Kontaktpersonen soll es künftig einfachere Isolations- und Quarantäneregeln geben.

Demnach werden Kontaktpersonen künftig von der Quarantäne befreit, wenn sie eine Auffrisch­impfung haben, also geboostert sind. Die neue Ausnahme von der Quarantäne gilt auch für frisch doppelt Ge­impfte und frisch Genesene – für Kontaktpersonen also, deren Erkrankung oder Impfung weniger als drei Monate zurückliegt.

Die Befreiung von der Quarantäne für frisch geimpfte oder genesene Kontaktpersonen sei „medizinisch fragwürdig“, sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, der Neuen Osnabrücker Zei­tung. Eine von der Delta-Variante genesene Person sei nicht gegen die Omikron-Variante immun. „Des­wegen muss bei engem Kontakt im häuslichen Umfeld auch für frisch Geimpfte und Genesene eine Quarantäne gelten“, forderte Johna.

Die Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten sei sinnvoll, sagte hingegen Landkreistagspräsident Reinhard Sager der Neuen Osnabrücker Zeitung. Damit werde ein guter Ausgleich zwischen der Eindäm­mung des Virus und der Sicherung wichtiger Infrastrurkturbereiche geschaffen.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DSTGB) bewertete die Beschlüsse grundsätzlich positiv, vermisste jedoch Perspektiven. „Leider haben Bund und Länder die Chance nicht genutzt, den Menschen – wenn auch unter Vorbehalt - klare Zukunftsperspektiven aufzuzeigen“, sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Rheinischen Post.

Der Verzicht auf eine Quarantäne für Kontaktpersonen mit Auffrischungsimpfung ist nicht unumstritten. Epidemiologe Hajo Zeeb hatte im Vorfeld der Bund-Länder-Beschlüsse gesagt, frisch geboosterte Men­schen hätten zwar einen gewissen Schutz vor der Omikron-Infektion, der in jedem Fall besser sei als bei zweifach Geimpften.

Der Experte vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen gab aber zu bedenken: „Gänzlich auf Quarantäne bei engen Kontakten, die schon geboostert sind, zu verzichten, birgt sicherlich ein gewisses Risiko einer Aufrechterhaltung von Übertragungsketten.“ Zwar sei die Gefahr schwerer Verläufe bei Geboosterten und auch doppelt Geimpften bekanntlich gering. Dennoch seien aus seiner Sicht fünf Tage Mindestquarantäne auch für Geboosterte sicherer.

Der Patientenschützer Eugen Brysch sieht bei den Beschlüssen zur Quarantäne eine riskante Regelungs­lücke. Es sei richtig, dass infizierte Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern nur mit ne­gativem PCR-Test vorzeitig aus der Isolation entlassen werden dürften.

„Jedoch ist unverantwortlich, dass die 360.000 Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste bei dieser Re­gelung außen vor gelassen wurden“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz den Zeitungen der Funke-Medien­gruppe. „Damit sind eine Million Pflegebedürftige daheim einer großen Gefahr ausgesetzt.“


/davide bonaldo, stock.adobe.com

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