Lauterbach: Ohne neue Maßnahmen droht katastrophale Coronasituation

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 22.7.2022


Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einer „katastrophalen“ Corona­entwicklung, sollten vor dem Herbst keine Maßnahmen im Kampf gegen das Virus beschlossen werden.

„Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in der US-Hauptstadt Washington.

Gleichzeitig würde dann auch Personal in den Kliniken ausfallen. „Das ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“, so Lauterbach. Unten brenne das Personal weg und oben die Patienten. Lauterbach betonte: „Wir brau­chen Maßnahmen, das ist klar. Aber das ist auch nicht strittig, wir werden vorbereitet sein.“

Auf mögliche Maßnahmen wollte er nicht eingehen, es gebe vertrauliche Verhandlungen etwa mit dem FDP-geführten Bundesjustizministerium. Die aktuellen Maßnahmen liefen zum 23. September aus, bis dahin werde die Regierung neue beschlossen haben, sagte Lauterbach.

Mit Blick auf die zweite Auffrischungsimpfung warnte er: „Die Älteren können nicht das Risiko eingehen, auf einen angepassten Impfstoff zu warten, der dann irgendwann im September oder Oktober kommt, bei den hohen Fallzahlen, die wir jetzt haben.“

Neue Studienergebnisse aus den USA würden eindringlich belegen, dass eine zweite Auffrischungsimpfung die Sterblichkeit reduziere, sagte Lauterbach. „Daher rate ich jedem älteren Menschen, nicht auf den neuen Impfstoff zu warten, sondern lieber jetzt den Impfstoff zu nehmen, dann ist man sicher.“

Die angepassten Impfstoffe würden voraussichtlich im „September, Oktober kommen“ und die „Strategie der Impfung im späten Herbst“ mitbestimmen.

Lauterbach tauscht sich bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten mit US-Partnern unter anderem über den Kampf gegen das Coronavirus und die Vorbereitung auf künftige Pandemien aus. Er traf etwa den Immu­nologen und Pandemie-Berater des US-Präsidenten, Anthony Fauci.

Heute will er an der Elite-Universität Harvard eine Ansprache halten und eine Produktionsstätte des Impfstoff­herstellers Moderna in Norwood im Bundesstaat Massachusetts besuchen.


/picture alliance, Kay Nietfeld

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