Kombinierte Impfung gegen COVID-19 und Influenza erweist sich in Studie als sicher und effektiv

Deutsches Ärzteblatt vom reitag, 1. Oktober 2021


Die gleichzeitige Impfung gegen SARS-CoV-2 und die saisonale Influenza hat sich in einer ran­do­misierten Studie aus England und Wales als sicher erwiesen. Alle 6 getesteten Kombinationen haben nach den im Preprint-Server des Lancet (ssrn.com/abstract=3931758) veröffentlichten Ergebnissen eine gute Antikörperantwort gegen SARS-CoV-2 erzielt.

Angesichts der offenbar nachlassenden Schutzwirkung der Impfung gegen SARS-CoV-2 könnte es in die­sem Winter zu einer erneuten Welle von COVID-19-Erkrankungen kommen. Wegen der Aufhebung der Maskenpflicht muss außerdem mit einer Grippewelle gerechnet werden. Sie könnte heftig ausfallen, weil viele Menschen im letzten Winter ihren Immunschutz nicht durch eine (meist asymptomatisch verlaufen­de) Grippe auffrischen konnten. Vor diesem Szenario könnte eine Impfung gegen SARS-CoV-2 und Influ­enza sinnvoll sein.

Ob die beiden Impfstoffe gleichzeitig gegeben werden können, ist unter Experten umstritten. Zwar sind Mehrfachimpfungen (vor allem im vollen Impfkalender von Kindern) keine Seltenheit. Die Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 unterscheiden sich jedoch von allen bisher eingesetzten Impfstoffen, weshalb Exper­ten ein Intervall von mindestens 2 Wochen zwischen den beiden Impfungen empfehlen.

Die britische ComFluCOV-Gruppe („Combining Influenza and COVID-19 Vaccination“) hat jetzt unter­sucht, ob eine gleichzeitige Impfung sicher und effektiv ist. An der Studie nahmen an 12 Standorten in England und Wales 679 Probanden teil, die bereits ihre 1. Dosis des Vektor-basierten Impfstoffs ChAdOx1 von Oxford/AstraZeneca oder des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 von Biontech/Pfizer erhalten hatten.

Eine Gruppe erhielt die 2. Dosis des COVID-19-Impfstoffs zusammen mit der Grippeimpfung, bei der anderen erfolgte die Grippeimpfung erst 3 bis 4 Wochen später. Die Studie war doppelblind und placebo­kontrolliert. Es kamen 3 verschiedene Grippeimpfstoffe zum Einsatz: ein trivalenter Impfstoff aus inak­tivierten Viren und dem Adjuvans MF59C (aTIV), ein zellbasierter quadrivalenter Grippeimpfstoff (QIVc) und ein rekombinanter quadrivalenter Impfstoff (QIVr).

Wie Rajeka Lazarus von der Universität Bristol und Mitarbeiter berichten, erwiesen sich alle 6 Kombina­tionen als gleich gut verträglich wie eine alleinige Coronaimpfung. In 2 Kombinationen (ChAdOx1/aTIV und BNT162b2/QIVr) überlappte das 95-%-Konfidenzintervall bei den systemischen Reaktionen jedoch das Non-Inferioritätskriterium von weniger als 25 %. Die meisten Reaktionen waren leicht bis mittel­schwer, und 97 % der Teilnehmer hatten keine Bedenken, auch in Zukunft 2 Impfstoffe zum selben Termin zu erhalten.

Auch bei den Antikörpertitern gegen das Spikeprotein von SARS-CoV-2, die bei einem späteren Termin bestimmt wurden, gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen (außer dass, wie bekannt, die Im­mun­reaktion nach der Gabe von BNT162b2 stärker ausfiel als nach der Gabe von ChAdOx1). Für Lazarus gibt es aufgrund der Ergebnisse keine Bedenken, Menschen gleichzeitig gegen COVID-19 und Grippe zu impfen.


/picture alliance, Wolfgang Kumm

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