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Keine guten Aussichten: Weniger Organspender als im Vorjahr

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 3.11.2022


Verglichen mit 2021 ist die Zahl der postmortalen Organspender in Deutschland im Zeit­raum von Januar bis Oktober dieses Jahres um 8,4 Prozent zurückgegangen. Das gab Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), heute bekannt.

Insgesamt sei die Situation sehr besorgniserregend, sagte er. Im Rahmen der 18. Jahrestagung der DSO gab Rah­mel einen Überblick über die aktuelle Situation in Deutschland. In den Monaten Januar bis Oktober habe es 710 postmortale Organspender gegeben, 2021 waren es 775.

„Nach einem unerwarteten Einbruch der Organspendezahlen um beinahe 30 Prozent im ersten Quartal 2022 haben wir in den letzten Monaten zwar eine gewisse Erholung und Stabilisierung der Organspende erreicht, insgesamt bleibt die Situation allerdings insbesondere für die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten und ihre Angehörigen im höchsten Maße bedrückend“, bewertete Rahmel die aktuellen Zahlen.

Insgesamt kommen auf eine Million Einwohner 10,1 Organspender in Deutschland. Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede mit den höchsten Zahlen in der Region Ost (13,71) und den niedrigsten in der Region Mitte (8,86). Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit nach wie vor im unteren Mittelfeld.

Einhergehend mit den sinkenden Zahlen an Organspendern nimmt auch die Zahl der postmortal gespendeten Organe ab: gegenüber 2021 bislang um zehn Prozent (von 2.420 auf 2.178). Das betrifft Organe wie Leber, Lunge, Niere und Pankreas, nur die Zahl der Spenderherzen bleibt gleich.

Etwas weniger stark ist mit acht Prozent die Zahl der Transplantationen gesunken (von 2.492 auf 2.293). Das liegt daran, dass mehr Organe über Eurotransplant importiert als aus Deutschland exportiert worden sind, wie Rahmel erläuterte. So haben Patienten in Deutschland in diesem Jahr bisher 390 Organe aus dem Ausland erhalten, aber nur 274 Organe wurden von Spendern in Deutschland im Ausland transplantiert.

Besonders in der ersten vier Monaten dieses Jahres sind die Zahlen der Organspenden deutlich eingebrochen. Eine Ursache sei, wie Rahmel ausführte, die anhaltende Coronapandemie und die hohen Inzidenzen Anfang des Jahres.

Laut einer von Rahmel vorgestellten Umfrage, die die Angaben von 96 Transplantationsbeauftragten in Deutsc­hland einschloss, spielen jedoch der pflegerische und ärztliche Personalmangel sowie fehlende Intensivbetten in den Kliniken die weitaus größere Rolle.

Zu weiteren Ursachen gehören demnach frühzeitige Therapielimitierungen und ablehnende Entscheidungen der Angehörigen. SARS-CoV-2-Infektionen beziehungsweise COVID-19 bei potenziellen Spendern sind dagegen von geringerer Bedeutung.

Basierend auf Erfahrungen aus anderen Ländern werden ab Ende Februar 2022 auch Spender mit SAR-CoV-2-Infektionen nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken in Betracht gezogen.

Mittlerweile gibt es 41 SARS-CoV-2-positive Spender und 120 Empfänger hierzulande, wie Rahmel berichtete. Eine Übertragung des Virus vom Spender auf den Empfänger wurde bisher nicht berichtet. Der Anteil dieser Spender an der Gesamtzahl der Spender sei jedoch gering.


/Talaj, stock.adobe.com

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