KBV begrüßt grundsätzlich Aufhebung der Impfpriorisierung, ausreichende Liefermengen nötig

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 19. Mai 2021

Die Aufhebung der Priorisierung bei den Coronaimpfungen mache „grundsätzlich“ Sinn, sagte heute Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Unisono mit Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender, betonte Gassen aber auch, dass dies mit verlässlichen und ausreichenden Liefermengen an die Arztpraxen verbunden sein müsse.

In Zusammenarbeit mit den Impfzentren und den Betriebsärzten werde man Jedem bis zum Sommer ein Impfangebot machen können, so Gassen. Die Kapazität liege bei bis zu acht Millionen Coronaimpfungen pro Woche. Angesichts der hohen Nachfrage – im laufenden Jahr habe die 116117 bereits 60 Millionen Anrufer verzeichnet – appellierte Gassen an die Bürger Rücksichtnahme bei den Terminvereinbarungen zu üben.

Hofmeister betonte, die Impfkampagne habe durch die Einbindung der Arztpraxen einen entscheidenden Schub bekommen – derzeit entstünden die Kapazitätslimits allein durch die geringen Liefermengen der Coronavakzine. Der Mai sei in dieser Hinsicht eine „Durststrecke“, was die Praxen vor organisatorische und kommunikative Herausforderungen stelle. Man hoffe nun auf gesteigerte Mengen im Juni.

Bezüglich der Impfungen von Kindern und Jugendlichen verwies Hofmeister darauf, dass eine europäi­sche Zulassung zwar absehbar sei, auf dieser Grundlage dann aber noch eine politische Entscheidung auf Basis einer Risiko-Nutzen-Abwägung fallen müsse. Sollte die Entscheidung in Richtung Reihenim­pfungen gehen, so müssten rechtzeitig entsprechende Vorbereitungen eingeleitet werden.

Zudem gelte für jedwede Entscheidung, also auch bei keiner allgemeinen Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche, dass die ausschlaggebenden Gründe klar und stringent durch die Politik und die unter­stützenden Institutionen kommuniziert werden müssten – auch bräuchten die Arztpraxen eindeutige Handlungsempfehlungen.

Absehbar sei bereits jetzt, so Hofmeister, dass es im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2-Virus wieder­holte Auffrischungsimpfungen geben werde. Hierbei würden die Impfzentren keine Dauerlösung dar­stellen, zumal die Praxen über genügend Kapazitäten verfügten. Wichtig sei aber eine Angleichung der zu erbringenden Dokumentation an andere Impfungen sowie eine „auskömmliche“ Vergütung.

Sollte ein digitaler Coronaimpfnachweis, wie er derzeit auf EU-Ebene vorbereitet wird, kommen, so KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel, dürften die Arztpraxen dadurch nicht zusätzlich belastet werden.

Die Datenübertragung solle weitgehend automatisch aus den jeweiligen Praxisverwaltungssystemen (PVS) erfolgen. Allerdings sei fraglich, wie schnell die PVS-Hersteller die notwendigen Anpassungen flächendeckend umsetzen können.

Keinesfalls, so betonte Kriedel, dürfe den Praxen ein manuelles Nachtragen von Impfdaten aus den Impzentren aufgebürdet werden. Diese Herausforderung müsse an den Arztpraxen vorbei anders gelöst werden. © aha/aerzteblatt.de


/picture alliance, Florian Schuh

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