Können Kortikosteroide die COVID-19-Therapie unterstützen?

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 27. August 2021


Oral oder intravenös verabreichte Kortikosteroide bewirken bei Menschen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, wahrscheinlich eine geringe Reduzierung der Sterblichkeit. Zu diesem Fazit kommt ein Autorenteam der Cochrane Hematology Group in einem neuen Review (2021; DOI: 10.1002/14651858.CD014963).

Kortikosteroide sollen bei COVID-19 ieine überschießende Reaktion des Immunsystems auf SARS-CoV-2 abmildern, welche für die schweren Verlaufsformen von COVID-19 verantwortlich gemacht wird. Die Arbeitsgruppe hat nach eigenen Angaben alle bisher verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien einer Qualitätskontrolle unterzogen, die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und teils in Metaanalysen ausgewertet.

Während in den ersten 4 Wochen der Erkrankung in der Kontrollgruppe (Placebo beziehungsweise Standardversorgung) 275 von 1.000 Patienten mit schwerer COVID-19 verstarben, lag diese Zahl bei Patienten, die mit Kortikosteroiden behandelt wurden bei 245 von 1.000, es gab also 30 Todesfälle weniger.

Dieses Ergebnis des Reviews beruht auf Evidenz aus neun Studien mit fast 8.000 Patienten. Die Arbeits­gruppe stuft die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse als „moderat“ ein, der 2.-höchsten von 4 Stu­fen im Gradesystem zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von Evidenz. „Oral oder intravenös verabreichte Kortikosteroide bringen wahrscheinlich einen kleinen Vorteil in der Behandlung von hospitalisierten Patienten mit sich. Allerdings können wir auf Basis der vorliegenden Evidenz nicht beurteilen, ob sie in der Behandlung von COVID-19 auch unerwünschte Effekte haben“, kommentieren die beiden Hauptautoren Mirko Griesel und Carina Wagner.

Die Autoren stellt zudem fest, dass Daten fehlen, die den Krankheitsverlauf über die ersten 4 Wochen hinaus untersuchen. Auch für Patienten, die bei zunächst milder Erkrankung nicht im Krankenhaus behandelt werden, fehlen offenbar Studienergebnisse zu den Effekten einer Kortikosteroid­gabe. © hil/aerzteblatt.de


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