top of page

IQWiG bestätigt Nutzen von Paxlovid bei Corona­risikopatienten

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 5.10.2022


Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf können von der Gabe der Wirkstoffe Nirmatrelvir und Ritonavir (Paxlovid) profitieren. Das zeigt eine frühe Nutzenbewertung, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt herausgegeben hat.

Als Vergleichstherapie diente eine „Therapie nach ärztlicher Maßgabe“. Der Hersteller hat in seinem Dossier Da­ten aus einer Studie namens „EPIC-HR“ eingereicht. Eingeschlossen waren nicht hospitalisierte, sympto­matische Patienten in der Frühphase von COVID-19, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hatten.

Als Risikofaktoren dafür galten: Übergewicht, ein Alter von mehr als 60 Jahren, die Einnahme von immun­schwächenden Medikamenten, Zigarettenkonsum oder das Vorliegen von spezifischen Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus (Typ 1 oder 2) oder chronische Lungenerkrankungen.

Die für die frühe Nutzenbewertung des IQWiG relevante Teilpopulation der EPIC-HR-Studie umfasste 1.908 Personen, von denen 944 mit Nirmatrelvir/Ritonavir und 964 mit Placebo behandelt wurden.

Im Interventionsarm der Studie war 28 Tage nach Symptombeginn niemand verstor­ben, im Vergleichsarm gab es hingegen 15 Todesfälle, das entspricht 1,6 Prozent der Patienten. Auch die Zahl der schweren COVID-19-Ver­läufe war bei Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir geringer: Zehn (1,1 Prozent) schweren COVID-19-Ver­läufen im Interventionsarm stehen 60 (6,2 Prozent) im Vergleichsarm gegenüber.

Intensivmedizinisch betreut werden musste in der Nirmatrelvir/Ritonavir-Gruppe kein Patient, in der Placebo-Gruppe waren es neun (0,9 Prozent). Zu einer Linderung der Symptome kam es bei einer Therapie mit Nirma­tre­lvir/Ritonavir nach durchschnitt­lich 16 Tagen, ohne nach 20 Tagen.

„Bei ungeimpften Risikopatienten, die erst seit wenigen Tagen symptomatisch und noch nicht schwer erkrankt sind, hatte Paxlovid in der betreffenden Studie eine vielversprechende Wirkung“, sagte IQWiG-Leiter Jürgen Windeler.

Das IQWiG sieht in der Gesamtschau dennoch nur einen „Anhaltspunkt“ für einen erheblichen Zusatznutzen von Nirmatrelvir/Ritonavir gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.

Grund dafür ist, dass die relevante Studie ausschließlich mit ungeimpften Patienten durchgeführt worden ist und unklar ist, inwieweit die Effekte auf geimpfte Personen übertragbar sind. Bedeutsam seien zudem zahl­reichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, hieß es aus dem IQWiG.


/golibtolibov, stock.adobe.com

0 Ansichten0 Kommentare
Beitrag: Blog2_Post
bottom of page