Intensivbetten­belegung in Thüringen über kritischem Wert, neue Verordnung geplant

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 19. Oktober 2021


Die Coronasituation in Thüringen spitzt sich angesichts einer steigenden Inzidenz und der Bele­gung von Intensivbetten mit COVID-19-Patienten weiter zu. Gestern gab die Thüringer Staatskanzlei an, dass 6,1 Prozent der verfügbaren Intensivbetten im Freistaat mit COVID-19-Patienten belegt sind. Damit überstieg das Land den zweiten Tag in Folge den für das Frühwarnsystem wichtigen Schwellenwert von 6,0 Prozent.

Bleibt der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über dieser Marke und liegt die Sieben-Tage-Inzi­denz ebenfalls mindestens drei Tage nacheinander über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche, rutscht die jeweilige Region in die Warnstufe zwei.

Aufgrund dieser Regelung droht etlichen Landkreisen und kreisfreien Städten in den nächsten Tagen die zweithöchste Warnstufe, die mit strengeren Coronaregeln einhergeht. Inzwischen gelten in allen Thü­rin­ger Kreisen und kreisfreien Städten Coronawarnstufen, in den meisten Warnstufe eins. Der Kyffhäuser­kreis ist als erste Thüringer Kommune am vergangenen Samstag in die höchste Warnstufe gewechselt.

Landesweit ist die Sieben-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen bereits stark angestiegen – sie lag gestern bei 138,9. Thüringen ist damit das Bundesland mit der höchsten Coronainzidenz.

Aus Sicht des Jenaer Infektiologen Mathias Pletz werden die Belegungszahlen in den Krankenhäusern absehbar weiter ansteigen. „Der Trend wird sich fortsetzen“, sagte er. Man habe aber schon bei der dritten Welle gesehen, dass die Hospitalisierungen und die Intensivfälle nicht so stark angestiegen sind wie die Inzidenzen, weil viele vulnerable Fälle geimpft waren. „Entscheidend ist also, dass die Impfbereitschaft bei Erwachsenen wieder zunimmt.“

Unterdessen bereitet die Landesregierung die nächste Corona-Verordnung vor, die eine Ausweitung des 2G- und 3G-Plus-Modells auf Gaststätten, religiöse Zusammenkünfte und Beherbergungsbetriebe vor­sieht, wie das Thüringer Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte. Ein entsprechender Entwurf soll im Kabinett beraten werden. Auch eine Landtagsbeteiligung ist vorgesehen – Änderungen an der Ver­ordnung sind noch möglich.

Meinungsverschiedenheiten innerhalb der rot-rot-grünen Koalition gibt es noch über den Umgang mit der Pandemie an den Schulen. Spitzenvertreter von Linke, SPD und Grüne wollen voraussichtlich morgen in einem Koalitionsausschuss über das Thema sprechen.

Das von Helmut Holter (Linke) geführte Bildungsministerium setzt auf ein abgestuftes Testsystem. In der Basisstufe sind dabei gar keine anlasslosen Coronatests an Schulen vorgesehen, eine Pflicht, die mit einem Bußgeld bestraft werden könnte, erst in der höchsten Warnstufte drei. Die SPD fordert dagegen mit Nachdruck eine generelle Testpflicht. Auch aus einigen Landkreisen und kreisfreien Städten hatte es Kritik an der Teststrategie gegeben.


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