Impftempo stagniert: Millionen Dosen in den Ländern im Lager

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 25. März 2021

Vor dem angekündigten Schub bei den Coronaimpfungen stagniert das Tempo der Impfkam­pagne in Deutschland derzeit weiter. Auch eine knappe Woche nach dem Ende des Impfstopps für das Präparat von Astrazeneca ist noch nicht in allen Bundesländern das Onlinebuchen für Impftermine wieder freigeschaltet worden.

Von Land zu Land ist es dabei unterschiedlich, wie viel von dem gelieferten Serum bisher tatsächlich verimpft wurde und in welchem Umfang die Hochbetagten geschützt sind. Mit erwarteten 70,5 bis 73,5 Millionen Coronaimpfdosen sollen im bevorstehenden zweiten Quartal dann deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft werden können. Im ersten Quartal waren es 19,8 Millionen Dosen.

In den Ländern sind Millionen noch nicht gespritzte Impfdosen vorhanden. Der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) etwa sprach gestern von „Falschmeldungen zu „Impf­do­sen auf Halde““. Er erläuterte, die Impfdosen im Lager müssten für bereits vereinbarte Termine oder Zweit­impfungen zur Verfügung stehen.

Eine Übersicht über gelieferte und gespritzte Impfdosen gibt das Impfdashboard des Bundesgesund­heitsministeriums.

Geliefert und geimpft

Der Bund lieferte bis vorgestern laut den Angaben des Ressorts von Minister Jens Spahn (CDU) 3,37 Mil­li­onen Dosen nach Nordrhein-Westfalen. 2,31 Millionen davon wurden den Angaben zufolge bis gestern verabreicht, also 68,5 Prozent. Bayern erreichten 2,46 Millionen Dosen – 1,92 Millionen wurden verimpft (78 Prozent).

Baden-Württemberg bekam 2,08 Millionen Dosen – gespritzt wurden 1,52 Millionen (73,1 Prozent). In Niedersachsen waren es 1,5 Millionen gelieferte und 1,07 Millionen verimpfte Dosen (71,3 Prozent).

Hessen bekam den Zahlen zufolge 1,19 Millionen und verimpfte 0,87 Millionen (73,1 Prozent). Nach Rheinland-Pfalz gingen mehr als 0,77 Millionen Impfdosen - 0,6 Millionen wurden verimpft (77,9 Pro­zent).

Sachsen erhielt knapp 0,77 Millionen und verimpfte 0,54 Millionen (70,1 Prozent). Berlin bekam 0,7 Mil­li­onen, verabreicht wurden in der Hauptstadt 0,53 Millionen Dosen (75,7 Prozent). Schleswig-Holstein erhielt 0,55 Millionen Dosen, wovon 0,42 Millionen gespritzt wurden (76,4 Prozent). In Thüringen, Bran­denburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Bremen liegen die Zahlen darunter.

Insgesamt wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) vorgestern rund 268.000 Impfdosen verabreicht – vier Tage nach dem Ende des knapp viertägigen Astrazeneca-Impfstopps. Am Dienstag vor dem Impfstopp wa­­ren es 248.000 Dosen, am Freitag vor dem Stopp 304.000 Dosen.

Rund 95 Prozent der Pflegeheimbewohner haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits min­destens eine Coronaimpfung erhalten. 73 Prozent hätten schon beide Impfungen bekommen, teilte das RKI in seinem Lagebericht von gestern Abend mit. Es wertete Daten bis zum 23. März aus.

Unterschiede bei über 80-Jährigen

Deutliche Unterschiede weisen die Ländern auch bei den Impffortschritten bei jenen auf, die im Fall einer COVID-19-Erkrankung besonders hohen Risiken eines schweren oder tödlichen Verlaufs ausgesetzt sind: den Älteren und Vorerkrankten.

So waren laut Robert-Koch-Institut gestern im Saarland mehr als 73 Prozent der Über-80-Jährigen zu­mindest einmal geimpft – in Baden-Württemberg und in der NRW-Region Westfalen-Lippe dagegen erst jeweils rund 59 und in Mecklenburg-Vorpommern erst knapp 50 Prozent.

In Baden-Württemberg sprach Sozialminister Manne Lucha (Grüne) zuletzt trotzdem von einem „Erfolg“, als er ankündigte, bis Ende März werde die Warteliste der Bürger über 80 und bei denen über 65 Jahren aus bestimmten Berufsgruppen abgearbeitet.

Der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hatte wiederholt gewarnt, dass die Gefährdetsten für schwere COVID-19-Verläufe benachteiligt würden. Den Grund sah Mertens darin, dass etwa Lehrkräfte, Erzieher oder Polizisten vorrangig geimpft würden, auch wenn sie jung und gesund seien.

So ist beispielsweise in Baden-Württemberg schon seit Mitte Februar das pädagogische Personal in Schulen und Kindertagesstätten impfberechtigt. In Berlin etwa wurde der Kreis der Impfberechtigten erst rund eine Woche später zunächst auf Kitakräfte und Mitte März auf Grundschullehrkräfte ausge­dehnt.

An Ostern nun soll trotz Feiertagen geimpft werden. „Wir haben die kommunalen Impfzentren ange­wie­sen und darum gebeten, auch über die Feiertage weiter zu impfen“, sagte etwa eine Sprecherin des Ge­sundheitsministeriums in Hannover. Sachsen-Anhalt will ausdrücklich weiterimpfen.

In Baden-Württemberg sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums, auch über Ostern werde grund­sätzlich geimpft – je nach verfügbarem Impfstoff. Dass einzelne Zentren Termine auf die anderen Wo­chentage verteilen und etwa an Ostern schließen, sei zwar möglich, in dem Fall dann aber auf zu wenig Impfstoff zurückzuführen.

In Schleswig-Holsteins werden die Impftermine laut Ge­sund­heits­mi­nis­terium ohne Pause vergeben. In Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin sollen die Impfzentren über Ostern ebenfalls geöffnet haben. Auch Bremen will dies so halten.

In der Woche nach Ostern sollen nach einem Bund-Länder-Beschluss von vergangener Woche auch die Hausärzte flächendeckend in die Coronaimpfkampagne einsteigen, allerdings zunächst nur mit knapp einer Million Dosen in der Woche, rund 20 Dosen für jede Praxis.

Die Lieferungen sollen nach Ostern dann aber Schritt für Schritt deutlich ansteigen. Im April sollen laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium bis zu 15,3 Millionen Dosen Impfstoff geliefert werden – nur 4,5 Millionen weniger als im gesamten ersten Quartal. © dpa/aerzteblatt.de


Mitarbeiter im Impfzentrum in der Messe Dresden bereiten Spritzen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff, Comirnaty von Biontech/Pfizer und Moderna für die Impfung gegen Corona vor./ picture alliance, Robert Michael

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