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Impfstoffe gegen Omikronvariante zugelassen, warten auf STIKO-Empfehlung

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 2. September 2022


Bei den Impfstoffen geht es um bivalente mRNA-Präparate, die vor dem ursprünglichen SARS-CoV-2 und vor der Omikron-Sublinie BA.1 schützen. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Deutsch­land steht noch aus. BA.1 spielt hierzu­lande zwar keine Rolle mehr, Experten gehen aber davon aus, dass die neuen Vakzine auch einen Vorteil ge­gen den derzeit dominierenden Subtyp BA.5 bringen.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck, der ebenfalls im Coronaexpertenrat sitzt, warnte vor überhöhten Erwar­tungen an die neuen Impfstoffe. „Der Booster sorgt noch einmal für etwas gesteigerte Antikörperspiegel im Blut von Geimpften. Wie gut er vor einer Infektion schützt, wurde nicht getestet.“ Man müsse davon ausgehen, dass der Effekt ausfalle wie beim bisherigen Booster, also mit einem Schutz vor Ansteckung für einen unge­fähren Zeitraum von drei Monaten.

„Ein Schutz vor Ansteckung für einen längeren Zeitraum ist nicht bewiesen und auch nicht wahrscheinlich“, sagte Streek, der das Institut für Virologie der Universität Bonn leitet. Trotz allem sei auch bei den neuen Impfstoffen ein guter Schutz vor schwerer Erkrankung wie bei den vorherigen Produkten gegeben. Zudem hätten die bisherigen Daten gezeigt, dass das Profil der Nebenwirkungen sehr ähnlich ist wie bei den ur­sprünglichen COVID-19-Impfstoffen.

Streeck betonte, er wünsche sich eine klare Kommunikation der Politik, für wen eine vierte Impfung mit dem angepassten Impfstoff überhaupt notwendig ist. Dass es dazu bisher keine Stellungnahme der STIKO gebe, finde er vertretbar. „Angesichts der vorliegenden Daten sehe ich keinen ganz akuten Handlungsbedarf. Denn man darf sich von dem angepassten Impfstoff nun nicht zu viel versprechen und denken, dass das jetzt der Gamechanger in der Pandemie wäre.“

Der Amtsärzte-Verbandschef Johannes Nießen riet, wer sich jetzt eine vierte Impfung holen wolle, solle nicht zögern und auf weitere Impfstoffe warten. „Er macht nichts falsch, wenn er den BA.1-Impfstoff nutzt“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienste (BVÖGD) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Derzeit könne man noch nicht sagen, welcher der beiden Impfstoff­ty­pen im Herbst und Winter besser schützen werde, weil dafür noch Daten fehlten. „Wir wissen nicht einmal, welche Variante im Herbst und Winter dominant sein wird.“





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