Impfgipfel in Sicht und noch mindestens zehn harte Wochen

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 28. Januar 2021

Erst heute morgen hatte sich Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) für einen Impfgipfel ausgesprochen und die Menschen in Deutschland auf weitere harte Wochen in der Coronakrise einge­stimmt. Nun ist klar: Der Impfgipfel kommt.

Die Bundeskanzlerin und die Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz wollen sich nach Angaben eines Regierungssprechers am 1. Februar um 14 Uhr zu einem Impfgespräch zusammenfinden. An dem Gespräch in Form einer Videokonferenz sollen neben weiteren Mitgliedern der Bundesregierung und den Regierungschefs der Länder auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der betreffenden Verbände teilnehmen.


Spahn hatte heute morgen via Twitter vorgeschlagen, Bund und Länder sollten auf einer eigenen Minis­ter­präsiden­tenkonferenz nur zum Impfen über die Lage, die Ziele und das weitere Vorgehen beraten. „Auf diesem Impfgipfel von Bund und Ländern sprechen wir über die Lage, die Ziele, das weitere Vor­gehen, auch damit Europa seinen fairen Anteil erhält“, so Spahn an.

Darüber hinaus sollten die Impf­stoffhersteller zu einem Expertengespräch eingeladen werden. Sie soll­ten erläutern, wie komplex die Herstellung sei. Dann könne man auch sehen, welche Kooperationen der Industrie es untereinander bereits gebe – und wo die Politik unterstützen könne.

„Sich informieren und abstimmen, um dann einheitlich zu agieren und kommunizieren: Das hilft immer“, erklärte der Minister. „Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen. Die sollten wir mit gemeinsamem Arbeiten in der Sache verbringen.“ In zehn Wochen, also Anfang April, ist Ostern.

Einen Impfgipfel hatten zuvor die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, sowie die Re­gie­rungschefs von Berlin und Brandenburg, Michael Müller und Dietmar Woidke (alle SPD) angeregt. Auch der SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider forderte ein solches Treffen.

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie hatte sich vor Wochen eher ablehnend zu einem Gipfel geäußert. „Die akuten Fragestellungen sind nicht politischer, sondern regulatorischer und tech­nologischer Natur. Diese Fragen können nicht auf einem Gipfel mit der Politik beantwortet werden“, hatte Verbandschef Hans-Georg Feldmeier gesagt.

Die Massenimpfungen gelten als Schlüssel, um das Coronavirus zurückzudrängen. Derzeit zielt viel Kritik an Spahn darauf, dass die Bevölkerung zu langsam geimpft werden könne. © dpa/afp/may/aerzteblatt.de

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Michael Sohn

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