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Immunvermittelte neurologische Erkrankungen nach COVID-19-Impfung nicht erhöht, aber nach Infektion

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 18.3.2022


Die Impfung gegen COVID-19 ist nicht mit einer Erhöhung der Ereignisrate von immunvermit­tel­ten neurologischen Erkrankungen wie Fazialisparese, Encephalomyelitis, Guillain-Barré-Syndrom und transverser Myelitis assoziiert – eine Infektion mit SARS-CoV-2 dagegen schon, wie eine Studie im British Medical Journal (BMJ) aufzeigt (DOI: 10.1136/bmj-2021-068373).

„Nach Beginn der COVID-19-Impfprogramme sind immunvermittelte neurologische Erkrankungen von den Zulassungsbehörden als Nebenwirkungen von besonderem Interesse eingestuft worden, schreiben die Autoren um Xintong Li, Doktorantin am Centre for Statistics in Medicine der University of Oxford. „In der Folge hat ein engmaschiges Monitoring stattgefunden und es sind weltweit zahlreiche Fallberichte publiziert worden, auch wenn nie ein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde. Beobachtungs­studien kamen zu gemischten Ergebnissen.“

An der nun im BMJ publizierten Studie nahmen mehr als 8.330.497 Menschen aus dem Vereinigten Königreich und Spanien teil, die mindestens 1 Dosis der COVID-19-Vakzine von Astrazeneca, Biontech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson erhalten hatten. Die Studienpopulation umfasste zudem eine Kohorte von 735.870 ungeimpften Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion gehabt hatten, sowie 14.330.080 Teilnehmende aus der Allgemeinbevölkerung.

Impfung: Vergleichbare Inzidenzraten wie vor der Pandemie

Die Inzidenzraten wurden 21 Tage nach der 1. COVID-19-Impfung, 90 Tage nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2 und zwischen 2017 und 2019 für die Hintergrundraten in der Allgemeinbevölkerung ermittelt.

Sowohl für die Fazialisparese als auch für Encephalomyelitis und das Guillain-Barré-Syndrom ent­sprachen die Inzidenzraten nach der COVID-19-Impfung dem, was basierend auf den Hintergrundwerten in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten war.

Infektion: Inzidenzraten höher als erwartet

Allerdings waren die Inzidenzraten bei den Teilnehmenden mit SARS-CoV-2-Infektion höher als erwartet. In den Daten aus dem Vereinigten Königreich zum Beispiel betrug die standardisierte Inzidenzrate für Fazialisparese 1,33 (95-%-KI 1,02-1,74), für Encephalomyelitis 6,89 (95-%-KI 3,82-12,44), und für Guillain-Barré-Syndrom 3,53 (95-%-KI 1,83-6,77).

Transverse Myelitis trat mit weniger als 5 Ereignissen in allen geimpften Kohorten sehr selten auf und konnte deshalb nicht analysiert werden.

Die Autoren um Li führten auch selbstkontrollierte Fallserien durch. Allerdings erlaubte die statistische Power nur bei der Fazialisparese einen Vergleich zwischen dem Zeitraum vor und nach der Impfung: Ein Sicherheitssignal sei hierbei nicht zu beobachten gewesen, so die Forschenden.


/freshidea, stock.adobe.com

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