Heterologes Impfschema offenbar mit besonders starker Immunantwort assoziiert

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 20. Mai 2021

Kürzlich zeigten vorläufige Daten aus Großbritannien, dass eine heterologe Impfserie mit den COVID-19-Impfstoffen von Astrazeneca und Biontech mit spürbar mehr vorübergehenden Nebenwirkun­gen verbunden ist. Als Ausgleich dafür könnten die Impflinge aber offenbar mit einer besonders starken Immunantwort belohnt werden. Darauf deuten die Zwischenergebnisse einer spanischen Studie hin, die bislang allerdings nur als Pressemitteilung veröffentlicht wurden.

Eine Boosterimpfung mit Biontech (bzw. Moderna) empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland derzeit allen Menschen, die mit dem Impfstoff von Astrazeneca erstgeimpft wurden und unter 60 Jahren alt sind.

Erste Ergebnisse der randomisierten CombivacS-Studie aus Spanien deuten nun darauf hin, dass die Kom­bination der beiden Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech sehr wirksam zu sein scheint – möglicherweise sogar besser als ein homologes Astrazeneca-Impfschema.

Die Auswertung umfasst 663 Studienteilnehmer, die mindestens 8 Wochen zuvor mit dem Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria geimpft worden waren. Rund 440 von ihnen erhielt eine Boosterimpfung mit Comir­naty von Biontech), der Rest diente als Kontrollgruppe und wurde erst später zweitgeimpft. Die Studien­teilnehmer waren im Schnitt 44 Jahre alt, 56 Prozent von ihnen waren Frauen.

Vervielfachung der neutralisierenden Antikörper messbar

Es stellte sich heraus, dass das heterologe Impfschema die Immunantwort verstärkte: 14 Tage nach der Zweitimpfung mit Cormirnaty waren die Antikörpertiter um das 150-fache angestiegen. Konkret erhöh­ten sich die Antikörpertiter von einem Median von 58 auf einen Wert von 9.102, ein Anstieg der auch schon sieben Tage nach der Zweitimpfung messbar war. Im Gegensatz dazu waren die der Antikörpertiter der Kontrollgruppe ähnlich denen, die 14 Tage zuvor gemessen worden waren.

Die Wirksamkeit der durch heterologe Impfung erzeugten Antikörper wurde durch Neutralisationstests verifiziert. Dabei stellte sich heraus, dass der Titer der neutralisierenden Antikörper nach der Zweit­impfung mit Comirnaty um das 7-fache angestiegen war.

In den Phase-III-Studien zu Vaxzevria hatte die 2. Dosis des Vektorimpfstoffs den Titer nur um das 3-fache erhöht. Ein direkter Vergleich der heterologen und homologen Impfung fand in der Studie aller­dings nicht statt.

Die Ergebnisse zur zellulären Immunantwort wollen die Wissenschaftler in den nächsten Tagen nach­liefern.

Keine vermehrte Reaktogenität beobachtet

Anders als in der britischen Com-COV-Studie deuten die spanischen Daten nicht auf eine vermehrte Reak­togenität in den ersten 7 Tagen nach der heterologen Boosterimpfung mit Comirnaty hin. Allerdings fehlen in der Studie aussagekräftige Vergleichsgruppen mit 2-maliger Astrazeneca- oder Biontech-Impfung.

Leichte lokale Nebenwirkungen wie Beschwerden an der Injektionsstelle waren häufig. Die häufigsten systemischen Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (44%), allgemeines Unwohlsein (41%), Schüttel­frost (25%), leichte Übelkeit (11%), leichter Husten (7%) und Fieber (2,5%).

Das Nebenwirkungsprofil entsprach den der homologen Impfung. Keine der Nebenwirkungen führte zu einem zusätzlichen Arztkontakt oder einer Hospitalisierung. © nec/mj/aerzteblatt.de


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