Heparin- oder ASS-Gabe vor Coronaimpfung nicht sinnvoll

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 25. März 2021

Das Risiko für Hirnvenenthrombosen und Gerinnungsstörungen nach Impfungen mit dem Coronaimpfstoff des Herstellers Astrazeneca schätzen Experten weiterhin als äußerst niedrig ein. In einer Diskussionsrunde im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie warnten sie jetzt davor, Patienten regelhaft vor der Impfung mit AZD1222 – so der Name des Impfstoffes – mit Acetyl­salicylsäure (ASS) oder Heparin zu behandeln.

Das Risiko für eine Blutung sei viel zu hoch, um eine gerinnungshemmende Therapie zu rechtfertigen, betonte Arnold Ganser von der Medizinischen Hochschule Hannover in der Diskussion. Neben ihm nah­men Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Gerd Sutter von der Ludwigs-Maximilians-Universität München sowie der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, Thomas Mertens, daran teil.

Bei der beobachteten möglichen Komplikation handelt es sich häufig um eine Kombination aus Throm­bosen und einem Mangel an Thrombozyten. Die meisten Fälle traten innerhalb der ersten sieben bis 14 Tage nach der Impfung auf. Betroffen waren vor allem Frauen unter 55 Jahren.

Diese Häufung bei Frauen könnte laut der Runde aber damit zusammenhängen, dass die Impfung in die­ser Bevölkerungsgruppe zuletzt verstärkt angewendet wurde. Gleichwohl fordert ein Roter-Hand-Brief des PEI Angehörigen der Gesundheitsberufe auf, bei den Geimpften auf Anzeichen und Symptome einer Thromboembolie und/oder Thrombozytopenie zu achten.

Konkret bedeutet dies laut der Expertenrunde: Sollten nach mehr als drei Tagen nach der Impfung Kopf­schmerzen und/oder andere klinische Symptome auffallen, dann sollten Ärzte ein Blutbild des Patienten veranlassen.

Zu diesen Symptomen zählen unter anderem Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltende Bauchschmerzen, Sehstörungen, neurologische Symptome sowie Blutergüsse außerhalb des Verabreichungsortes der Impfung – Letzteres als Zeichen für eine Gerinnungsstörung.

Im Blutbild sollten Ärzte besonders auf die Zahl der Thrombozyten achten. Seien diese verringert, soll­ten sie die Patienten rasch in ein Zentrum überweisen, in dem eine genaue immunologische Diagnostik erfolge.

Mertens wies in der Diskussion daraufhin, dass es bei der Bewertung der Ereignisse wie häufig darum gehe, die basale Aktivität – in diesem Fall von Sinusvenenthrombosen – gegenüber einer echten Impf­reaktion abzugrenzen. Er merkte an, dass bei einem Drittel der Fälle von thrombembolischen Prozessen nach Impfung keine Thrombozytopenie nachweisbar war, bei zwei Dritteln schon.

Cichutek betonte in der Diskussion, dass es im Augenblick keine Evidenz dafür gebe, dass hormonelle Antikontrazeptiva („die Pille“) das Risiko für thrombembolische Prozesse oder Gerinnungsstörungen nach einer Impfung mit AZD1222 erhöhen.

Die Expertenrunde war sich zudem einig, dass es keine Belege dafür gebe, dass eine Impfung gegen COVID-19 das Risiko für eine Autoimmunerkrankung erhöhe – gleich, mit welchem Impfstoff die Immunisierung erfolge. © hil/aerzteblatt.de



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