Höhere SARS-CoV-2-Infek­tionsraten innerhalb von Familien

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 3.5.2022


SARS-CoV-2 zeigte Varianten-spezifisch unterschiedliche Infektionsraten innerhalb von Familien, die in den Jahren 2021 bis 2022 höher ausfielen als zuvor beschrieben. Wenn sich Familienmitglieder unter­einander mit SARS-CoV-2 anstecken, wurde bisher von einer SAR (Household Secondary Attack Rate, SAR) von 18,9 % (95-%-KI, 16,2 %-22,0 %) ausgegangen.

Amerikanische Wissenschaftler bewerteten nun die SAR neu, um zu überprüfen inwiefern sich diese Rate im Laufe der Pandemiezeit verändert hat und ob sie je nach viralen Varianten und Impfstatus beeinflusst wird (JAMA Network Open, 2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.9317).

Dazu führten die Studienautoren ein systematisches Review und Metaanalyse mit 135 Studien und mehr als 1,3 Millionen Teilnehmern aus 36 Ländern durch. Alle Artikel enthielten Originaldaten, die die Anzahl der Infizierten und die Gesamtzahl der Haushaltskontakte enthielten.

Die SAR für einzelne Haushalte lag in den Jahren 2021 bis 2022 mit 37,3 % höher (95-%-KI, 32,7 %-42,1 % (33 Studien), als im Zeitraum zuvor (bis April 2020) mit 15,5 % (95-%-KI, 13,2 %-18,2 %, 63 Studien). Mit diesem Ergebnis hat sich die SAR im Verlauf der Pandemie mehr als Verdoppelt.

Die SAR zeigte unterschiedliche Werte für SARS-CoV-2-Varianten und war für Omikron mit 42,7 % (95-%-KI, 35,4 %-50,4 %; 7 Studien) am höchsten, gefolgt von Alpha 36,4 % (95-%-KI, 33,4 %-39,5 %; 11 Studien), Delta 29,7 % (95-%-KI, 23,0 %-37,3 %; 16 Studien) und Beta mit 22,5 % (95-%-KI, 18,6 % bis 26,8 %; 3 Studien).

Die Effektivität von Impfstoffen wurde auf 94,7 % (95-%-KI, 93,3 % bis 95,8 %) in Bezug auf Alpha, 64,4 % (95-%-KI, 58,0 %-69,8 %) in Bezug auf Delta und 35,8 % (95-%-KI, 13,0 %-52,6 %) in Bezug auf Omikron geschätzt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 über den Schutz des Einzelnen hi­naus­geht und auch anderen Haushaltsmitgliedern einen indirekten Schutz gewährt. Eine vollständige Im­pfung war mit einer Verringerung der Anfälligkeit und Infektiosität verbunden, am stärksten gegen Alpha gefolgt von Delta und Omikron.

Der der Schutzgrad bei aufkommenden Varianten kann jedoch variieren, geben die Studienautoren zu be­denken. Die Veränderungen in der geschätzten Wirksamkeit von Impfstoffen unterstreichen die Heraus­for­derungen bei der Entwicklung von antiviralen Impfstoffen.



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