Gewalt gegen Gesundheitspersonal: Ruf nach schärferem Vorgehen

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 10.10.2022


Die Generalversammlung des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA) hat die Zunahme von Gewalt gegen Personal und Einrichtungen des Gesundheitswesens scharf verurteilt. Die Delegierten von fast 60 nationalen Ärzteverbänden forderten eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Gewalt am Arbeitsplatz.

Dazu sei es gegebenenfalls notwendig, Patienten und Besuchern beim Betreten bestimmter Bereiche auf Waffen zu untersuchen. Der WMA erklärte, Gewalt umfasse auch Einschüchterung und Cyberbe­lästigung.

„Gewalt gegen medizinisches Personal ist ein weltweit wachsendes Problem. Und sie hat potenziell zerstö­re­rische soziale Auswirkungen. Sie beeinträchtigt das gesamte Gesundheitssystem, untergräbt die Qualität des Arbeitsumfelds und wirkt sich auf die Qualität der Patientenversorgung aus“, sagte der neue Präsident der WMA, Osahon Enabulele.

Er forderte zudem, mehr in das Wohlbefinden, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Ärzten und anderen Angehörigen der Gesundheitsberufe zu investieren. „Dies soll dazu beitragen, das körperliche und geistige Ausbrennen von Ärzten und die Abwanderung von Ärzten und anderen Gesundheitsfachkräften, insbesondere aus bereits unterversorgten Ländern, zu verringern oder zu verhindern“, erläuterte er auf dem Treffen in Berlin.

Die scheidende WMA-Präsidentin, Heidi Stensmyren, wies in ihrer Abschiedsrede darauf hin, dass Tausende von Ärzten den Beruf vorzeitig verließen. „Viele, wenn nicht sogar die meisten, sind aus Angst, Burnout und dem oft übersehenen Gefühl der Hilflosigkeit ausgestiegen, weil sie befürchten, nichts mehr bewirken zu können“, sagte sie.

Der Weltärztebund verabschiedete außerdem eine Revision des Internationalen Medizinethikkodex, die unter der Führung der Bundesärztekammer in einem zweijährigen Prozess erarbeitet worden ist. Der Kodex, der die ethischen Prinzipien für Ärzte weltweit definiert, wurde um Abschnitte zu den Aspekten Patientenautonomie, ärztliches Wohlergehen, Fernbehandlung und umweltbezogene Nachhaltigkeit erweitert.

Außerdem haben die Delegierten eine Deklaration gegen Rassismus in der Medizin verabschiedet. Darin warnt der Weltärztebund vor Rassismus in der Medizin, zum Beispiel in Gesundheitseinrichtungen, in Univer­sitäten und Weiterbildungsstätten sowie in der Forschung und in wissenschaftlichen Publikationen. Auf Vor­schlag der American Medical Association wurde die Deklaration als „Deklaration von Berlin“ benannt.


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