Gesellschaft für Virologie: Personen mit 3 Antigenkontakten sollten gleichgesetzt werden

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 14.2.2022


In der Diskussion um die Immunität von Genesenen schlägt die Gesellschaft für Virologie vor, Personen mit drei Antigenkontakten gleichzusetzen – unabhängig davon, ob es sich bei diesen Kontakten um Impfungen oder Infektionen gehandelt hat. Dies ist einer heute veröffentlichten Stellungnahme der Fachgesellschaft zu entnehmen.

Studien zeigen, dass Impfung und Infektion – insbesondere was Omikron angeht – nicht zu einer gleich­wer­tigen Immunität führen. Doch dies gelte nur für die Menge und Effektivität der neutralisierenden Anti­­körper, so die Argumentation der Virologen.

In verschiedenen Veröffentlichungen wurde gezeigt, dass das Serum von Personen, die nicht geimpft sind und eine Infektion mit SARS-CoV-2 (nicht Omikron) durchlaufen haben, eine niedrige, mitunter nicht mehr nachweisbare neutralisierende Aktivität gegen die Omikron-Variante aufweist.

Seren von Personen, die eine Kombination aus Infektion und Impfung durchlaufen haben, oder von ge­impf­ten Personen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten haben, weisen eine bessere neutralisierende Antikörperantwort gegen die Omikron-Variante auf.

Zelluläre Immunantwort muss berücksichtigt werden

Allerdings wurde in diesen Studien die zelluläre Immunantwort nicht berücksichtigt. „Der Schutz vor schweren COVID-19-Verläufen hängt nicht ausschließlich von neutralisierenden Antikörpern ab, sondern auch von der Fähigkeit der T-Zellen, infizierte Zellen im Körper zu erkennen und abzutöten“, heißt es in der Stellungnahme.

Und hier deuteten erste Publikationen darauf hin, dass im Gegensatz zur Antikörperantwort die T-Zell­-Ant­wort bei Genesenen wie auch bei vollständig Geimpften bei einer Infektion mit der Omikron-Variante weiterhin wirksam ist.

Anders als das Spikeprotein sind die Angriffsziele der T-Zellen bei den SARS-CoV-2-Varianten wenig ver­ändert sind. „Es ist davon auszugehen, dass diese T-Zell-Antworten einen guten Schutz gegen schwere COVID-19-Verläufe nach Infektion mit der Omikron-Variante vermitteln können“, so die Fachgesellschaft. Allerdings lägen hierzu bisher keine Daten vor.

Vorimpfungen beeinflussen Immunität nach Infektion

Nach der Reduktion der Dauer des Genesenenstatus von 6 auf 3 Monate sei bei der Umsetzung der Re­geländerung oftmals nicht zwischen Genesenen mit oder ohne Impfung unterschieden worden. Nach Ansicht der Gesellschaft für Virologie müsse aber klar unterschieden werden zwischen Genesenen mit und ohne COVID-19-Impfanamnese.

Neuste Publikationen zeigen nämlich, dass es durch mehrere Antigenkontakte über die Zeit, SARS-CoV-2-spezifische Antikörper mit hoher Neutralisationsfähigkeit und in ausreichender Menge entwickeln – die auch die Omikron-Variante teilweise neutralisieren.

Dabei sei die Zahl von drei Antigenkontakten ent­schei­dend. Deren Konstellation wiederum spiele eine untergeordnete Rolle. Der Schutzeffekt ist also unabhängig davon, ob eine Person 3-fach geimpft, 2-fach geimpft und genesen oder genesen und 2-fach geimpft ist.

Virologen für „pragmatische Regelung“

Unter Berücksichtigung dieser Datenlage schlägt die Gesellschaft für Virologie deshalb vor, deutschland­weit eine pragmatische Regelung anzuwenden, die Personen mit 3 Antigenkontakten, unabhängig von der Art der Antigenkontakte – Impfung oder Infektion –, gleichsetzt.


/Alexander Limbach, stock.adobe.com

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