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Genesen oder geimpft: Schutz vor Reinfektionen zeitlich begrenzt

Deutsches Ärzteblatt vom Montag 7.2.2022


Aktuelle Auswertungen prospektiver Daten der SIREN-Studie (SARS-CoV-2 Immunity and Reinfection Evaluation) zur Verbreitung der Omikron-Variante deuten auf unterschiedliche Zeitintervalle zum Schutz vor Reinfektio­nen bei Genesenen und Geimpften hin.

Bei der SIREN-Studie handelt es sich um eine prospektive Kohortenstu­die, die das Robert Koch-Institut als eine seiner Quellen für die Vorgaben zum Genesenennachweis aufführt. Im Rahmen der Studie werden Mitarbeitende aus dem Gesundheitswesen in England routinemäßig PCR-Tests (alle 2 Wochen) unterzogen, auch wenn keine COVID-19-Symptome vorliegen. Insgesamt wurden 44.000 Mitarbeitende aus 135 Krankenhäusern in Großbritannien zur Überwachung der Inzidenz an Neuinfektionen und Reinfektionen eingeschlossen.

Zur Abschätzung des Schutzes vor symptomatischen und asymptomatischen Infektionen der COVID-19-Variante Omikron werteten die Wissenschaftler Daten einer SIREN-Kohorte (18.464 Teilnehmende) zwi­schen dem 1. Dezember 2020 und dem 4. Januar 2022 aus.

Reinfektionen wurden als positive PCR-Testung 90 Tage nach einer vorherigen Infektion (positiver PCR-Test) definiert. In dieser Kohorte hatten 40 % zuvor schon eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht. Die meisten Teilnehmenden waren zu Beginn des Beobachtungszeitraumes geboostert (3 Dosen) und zwar vor­nehm­lich mit dem mRNA-Impfstoff BNT162b2.

Ungeimpfte 90 Tage nach Infektion schlechter geschützt als Geimpfte

Unter den genesen, ungeimpften Teilnehmenden (n=255) steckten sich im Beobachtungszeitraum 35 erneut an, was laut Studienautoren einer Vakzineffektivität von 44 % entspräche. Das 95-%-Konfidenzintervall erstreckte sich von 4 % bis 67 %. Somit hätten Genesene 90 Tage (ca. 3 Monate) nach überstandener Infektion mit Omikron einen durchschnittlichen Schutz unter 50 % gegenüber symptomatischen und asymptomatischen Reinfektionen.

Der Schutz vor Reinfektionen hielt nach der Impfung mit einer 2-Dosen-Primärimpfung (geschätzte Vak­zin­effektivität 60 %; 95-%-KI: 36 %-75 %) länger an und lag bei etwa 20 Wochen (5 Monate). Nach einer Boosterimpfung (3. Dosis) stieg der Schutz auf 71 % (95-%-KI: 56 %-82 %) und sank ab Woche 10 auf 45 bis 50 %. Es ist wahrscheinlich, dass die derzeitigen Impfstoffe einen begrenzten langfristigen Schutz gegen Infektion oder Ansteckung der Omikron-Variante bieten, schlussfolgern die Studienautoren.

In der Studienkohorte, die sich noch gar nicht mit SARS-CoV-2 angesteckt (60 %) hatte, lag die Vakzinef­fek­tivität jeweils bei 32 % (2 Impfdosen, 95-%-KI: 6 %-57 %) und 62 % (3 Impfdosen, 95-%-KI: 41 %-75 %).

Der Schutz vor einem schweren Verlauf lag höher und wurde auf 92 % geschätzt, der auch 10 Wochen nach einem Booster noch bei etwa 83 % lag.

Diese Ergebnisse zeigen die höchste Schutzwirkung nach einer Boosterimpfung auch für genesene Pa­tien­ten. Die Ergebnisse dieser Analysen sind allerdings noch vorläufig und werden noch weiter im Detail untersucht, gaben die Studienautoren zu bedenken.


/Photocreo Bednarek, stock.adobe.com

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