Forscher finden Verunreinigungen im Astra­zeneca-Impfstoff

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 27. Mai 2021

Forscher der Universitätsmedizin Ulm haben in dem Impfstoff des Herstellers Astra­zeneca Verunreinigungen durch Proteine entdeckt. Ob die Wirksamkeit des Vakzins dadurch beeinflusst wird oder es einen Zusammenhang zu Impfreaktionen gibt, könne aber nicht beantwortet werden, betonten die Wissenschaftler in einer Mitteilung zu der bislang nur als Preprint veröffentlichten Studie.

Das müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Der Proteingehalt pro Impfdosis habe aber deutlich über der theoretisch zu erwartenden Menge gelegen.

Aus Kreisen des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens hieß es hingegen, die klinische Erfahrung lege nahe, dass die im Impfstoff verbliebenen Proteine auf einem sicheren und teilweise niedrigeren Ni­veau als bei anderen ähnlich hergestellten Vakzinen sei. Eine 100 prozentige Reinheit sei nicht zu er­reichen. Das Unternehmen arbeite zu den höchstmöglichen Standards.

Gefunden wurden der Studie zufolge menschliche und virale Proteine, vor allem Hitze­schock-Proteine. Insgesamt seien mehr als 1.000 Proteine in den 3 untersuchten Chargen festgestellt worden.

Negative Auswirkungen auf Geimpfte dürften die meisten davon nicht haben, sagte Studienleiter Stefan Kochanek: „Extrazelluläre Hitzeschock-Proteine sind jedoch bekannt dafür, dass sie angeborene und er­worbene Immunantworten modulieren und bestehende Entzündungsreaktionen verstärken können. Sie wurden zudem auch schon mit Autoimmunreaktionen in Verbindung gebracht.“

Das Vorhandensein der Proteine weise auf nicht ausreichende Verfahren bei der Qualitätskontrolle hin, betonte Kochanek. Durch Überarbeitung von Herstellungsprozess und Qualitätskontrolle ließe sich ne­ben der Sicherheit womöglich auch die Wirksamkeit des Impfstoffs erhöhen.

Der Virologe Alexander Kekulé sieht in der Ulmer Studie eine sehr gute Arbeit. Für unmittelbar gesund­heitlich bedenklich hält er die Verunreinigungen nicht. „Bloß weil es verunreinigt ist, heißt das nicht, dass was Schädliches drinnen ist“, sagte der Professor der Universität Halle-Wittenberg in seinem Coro­na­podcast am vergangenen Donnerstag (20. Mai).

„Auf der anderen Seite sind es eben über 1.000 Komponenten, über 1.000 verschiedene Proteine, die die gefunden haben. Also wenn man die Daten als Biochemiker ansieht, dann muss man schon sagen, das ist ziemlich erschreckend.“

Ärgerlich sei, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das Problem bei der Zulassungsprüfung nicht bemerkt habe. Seiner Ansicht nach hätte der Impfstoff keine Zulassung bekommen, wenn die Ver­un­reinigungen bekannt gewesen wären, sagte Kekulé. „Die EMA hat jetzt ein Problem.“ Die sehr selte­nen, nach Impfungen mit Astrazeneca aufgetretenen Fälle von Hirnthrombosen sind seiner Ansicht nach eher nicht auf die Verunreinigungen zurückzuführen. © dpa/aerzteblatt.de


/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

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