Flutkatastrophe: ECDC befürchtet Zunahme von Infektions­krankheiten

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 22. Juli 2021

Die schweren Überschwemmungen, zu denen es in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-West­falen sowie in den Beneluxstaaten gekommen ist, haben das Europäische Zentrum für die Präven­tion und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zu einer Risikoabschätzung veranlasst.

Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die ECDC hält es allerdings für möglich, dass es zu Ausbrüchen von wasserbedingten Infektionen kommt. Die Zerstörungen der Abwassersysteme könnten die direkte oder indirekte Übertragung verschiedener gastrointestinaler Erreger fördern, hieß es.

Dazu gehören E.coli, Norovirus, Rotavirus, Cryptosporidium, Giardia, Campylobacter, verschiedene Sal­mo­nella-enterica-Serotypen, Shi­gella und Hepatitis A-Viren. Auch andere Erkrankungen wie Leptospirose und Tetanus könnten häufiger auftreten, warnt die EU-Behörde.

Um sich zu schützen, sollte die Bevölkerung nur sauberes, sicheres Wasser trinken und nur Lebensmittel essen, die nicht mit Hochwasser oder Oberflächen in Berührung gekommen sind. Auch für die persön­li­che Hygiene, etwa zum Waschen oder Zähneputzen, sollte kein Wasser verwendet werden, das mit dem Hochwasser in Berührung gekommen ist.

Das Hochwasser sollte auch nicht verwendet werden, um Geschirr zu spülen, Gemüse oder Obst zu wa­schen, Essen zu kochen oder Babynahrung zuzubereiten. Alle Lebensmittel und Wasser, die mit Hoch­wasser in Kontakt gekommen sind, sollten entsorgt werden.

Bei Hochwasserkrisen kann es zur Ausbreitung von Vektor-übertragenen Krankheiten kommen. Das Risi­ko ist nach Einschätzung der ECDC jedoch gering, da keines der von Überschwemmungen betroffenen Gebiete im Ausbreitungsgebiet der Mücke Aedes albopictus liegt, sie sich zuletzt in Südeuropa ausge­breitet hat und exotische Krankheiten wie Denguefieber und Chikungunya übertragen kann. Ohne den Vektor können sich diese Erkrankungen nicht ausbreiten.

Weitere gesundheitliche Risiken können laut ECDC von der Unterbringung der Betroffenen in Schutz­un­terkünften ausgehen. Die Erfahrungen würden zeigen, dass es dort schnell zu Magen-Darm- und Atem­wegsinfektionen kommt. Auch COVID-19 könnte zu einem Problem werden. Die ECDC rät deshalb den Helfern und den Flutopfern dringend, Gesichtsmasken zu tragen und die Maßnahmen zur Hand- und Atemhygiene einzuhalten. © rme/aerzteblatt.de


/picture alliance, Marius Becker

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