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Fatigue und kognitive Defizite nach SARS-CoV-2-Infektion nicht selten

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 21.9.2022


Berlin/Kiel – Nach einer SARS-CoV-2-Infektion leiden deutlich mehr Menschen an lang anhaltender Fatigue als Menschen, die keine Kontakt mit dem Virus hatten. Darüber hinaus treten nach einer Infektion auch häu­fi­ger kognitive Defizite auf. Die Analyse wurde in eClinicalMedicine (2022, DOI: 10.1016/j.eclinm.2022.101651) veröffentlicht.

Das Forschungsteam aus Deutschland wertete Daten von fast 1.000 Patientinnen und Patienten aus, deren SARS-CoV-2-Infektion mindestens 6 Monate zurücklag. Als Vergleichsgruppe zog es Daten von ebenfalls fast 1.000 Personen ohne Infektion heran, die an eine Bevölkerungsstudie zur Fatigue vor der Pandemie teilge­nommen hatten.

Etwa 19 % der mit SARS-CoV-2-Infizierten wiesen nach durchschnittlich 9 Monten klinisch relevante Fatigue­symptome auf, in der Kontrollgruppe waren es dagegen 8 % (p < 0,001). Mit anhaltender Fatigue assoziierte Faktoren waren weibliches Geschlecht, jüngeres Alter, Depression vor der Infektion sowie akute COVID-19-Symptome, hier vor allem Bewusstseinsveränderungen, Schwindel und Myalgie.

„Wir hatten im direkten Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung keine so hohen Zahlen und keinen so deutli­chen Unterschied erwartet“, sagte Carsten Finke, von der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und einer der Mitautoren der Studie.

Die persistierende Fatigue ist laut Finke mit großem persönlichen Leidensdruck verbunden, führt zudem zu Ausfällen am Arbeitsplatz und stellt eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem dar. Geeignete Therapieoptionen fehlen demnach. Zudem gab es bislang keine zuverlässigen Zahlen für die Häufigkeit von Spät- und Langzeitfolgen wie dieser nach einer Coronainfektion.

Eine weitere häufige Folge nach einer Coronainfektion waren der Studie zufolge kognitive Einschränkungen wie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen. Sie zeigten sich bei insgesamt 27 % der mit SARS-CoV-2 In­fizierten, 26 % wiesen milde und 1 % moderate Defizite auf.

Anders als bei der Fatigue kamen die Symtome eher bei Älteren und bei Männern vor. Weitere assoziierte Faktoren waren geringere Bildung und neuropsychiatrische Komorbiditäten. Nur 5 % der Infizierten hatten sowohl eine anhaltende Fatigue als auch kognitive Einschränkungen. Das Forscherteam konnte zudem keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den beiden Beschwerden feststellen.

Daher schlussfolgerte das Team, dass voneinander unabhängige Faktoren zum Auftreten der beiden Folgen führen. „Für uns ist nun interessant, ob die kognitiven Defizite dauerhaft bestehen bleiben, oder ob sie sich zurückbilden“, erklärte der Mitautor Walter Maetzler von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

„Auch ist die Frage offen, ob durch SARS-CoV-2-Infektion Demenzen bei Älteren früher auftreten.“ In Bezug auf die anhaltende Fatigue würden die aktuellen Daten erste Hinweise darauf geben, dass sie weniger stark ausgeprägt ist, je länger die Infektion zurückliege.



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