Experte: Angesichts zunehmender Infektionen rasches Impfen wichtig

Deutsches Ärzteblatt vom 29.3.2021

Vor dem Hintergrund rasch steigender Infektionszahlen sollte die Bevölkerung nach Ansicht eines Experten möglichst schnell gegen COVID-19 geimpft werden. Das betonte der Leiter des Instituts für Virologie der Universität Marburg, Stephan Becker, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Bezug auf Äußerungen von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

Dieser hatte der Bild am Sonntag gesagt: „Wenn jetzt parallel zum Impfen die Infektionszahlen wieder rasant steigen, wächst die Gefahr, dass die nächste Virusmutation immun wird gegen den Impfstoff.“ Im Falle einer solchen Mutation „stünden wir wieder mit leeren Händen da“, so Braun weiter.

„Herr Braun hat grundsätzlich recht“, sagt Becker, daher sei nun rasches Impfen wichtig. Die derzeitigen Impfungen zielten auf ein bestimmtes Oberflächenprotein des Erregers SARS-CoV-2 ab. Weil sich das Virus kontinuierlich verändere, würden durch Selektion stets „bessere“ Varianten begünstigt.

Das könnten etwa ansteckendere Typen sein wie die britische Variante B.1.1.7 oder auch Typen, an die die vom Immunsystem nach einer Impfung gebildeten Antikörper schlechter binden könnten – soge­nannte Escape-Mutanten. Dies gelte eingeschränkt etwa für die südafrikanische Variante B.1.351.

Weil bei einem stärkeren Infektionsgeschehen mehr Viren kursieren, steigt das Risiko für neue Mutanten, die sich solchen Antikörpern entziehen könnten. „Die werden dann nicht mehr so gut abgefangen wie das ursprüngliche Virus“, erläuterte Becker. Zwar könnten diese Antikörper noch in gewissem Maße schützen, „aber nicht mehr so gut“.

Insofern stehe man nicht ganz mit leeren Händen da. Generell gelte aber: Angesichts der steigenden Infektionszahlen sei es ratsam, die Bevölkerung möglichst schnell zu impfen, betonte Becker. © dpa/aerzteblatt.de


/picture alliance, Jens Büttner

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