Erstmals mehr als eine Million Coronaimpfungen an einem Tag

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 29. April 2021

Die Coronaimpfungen in Deutschland kommen weiter voran. Gestern habe es erstmals mehr als eine Million Impfungen an einem Tag gegeben, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute in Berlin.

Zugleich sei damit erstmals an einem Tag mehr als ein Prozent der Bevölkerung geimpft worden. Insge­samt haben demnach nun mehr als ein Viertel aller Bundesbürger – nämlich 25,9 Prozent – mindestens eine erste Spritze erhalten. Schon den vollen Schutz mit einer Zweitimpfung haben 7,5 Prozent.

Gestern hätten die Arztpraxen über 730.000 Impfungen gemacht und die regionalen Impfzentren der Länder 360.000 Impfungen, sagte Spahn. Das zeige, wie stark man an Geschwindigkeit gewinne, auch wenn es für eine Grundimmunität der gesamten Bevölkerung noch nicht reiche.

Es gebe noch eine Menge zu tun beim Impfen, sagte auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Bei den Menschen über 80 Jahre seien rund zwei Drittel geimpft, bei Menschen über 70 Jahre rund 30 Prozent. „Da ist noch ein Weg zu gehen.“ Mehrere Nachfragen, in wie weit Eltern von kleinen Kindern zügiger geimpft werden könnten, antworteten beide eher ausweichend und mit dem Hinweis, es sei in diesen Wochen noch nicht genügend Impfstoff vorhanden.

Spahn (CDU) will auch mit Religionsgemeinschaften über Impfaufklärung sprechen. Er wolle auf alle Religionsgemeinschaften, ob die christlichen Kirchen, russisch-orthodoxe Religionsvertreter oder Imame, zugehen, ob und in welcher Weise sie bereit seien, für die COVID-19-Impfung zu werben, sagte Spahn.

Ziel sei es, alle gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Gruppen zu erreichen. So sei bei der Frage des Infektionsrisikos etwa zu bedenken, dass für gewisse Religionsgemeinschaften religiöse und familiäre Feste in der Regel sehr groß gefeiert würden.

Die Informationskampagnen zur Impfung seien seit mehreren Monaten mehrsprachig und es werde auch mit „Impffluencern“ und Vorbildern wie Fußballspielern oder Schauspielern kooperiert – vor allem in den sozialen Medien, berichtete Spahn weiter.

Das Risiko für eine Erkrankung entstehe zum Teil auch aus der sozialen Lage, sagte Spahn zu der Frage, ob sozial Benachteiligte öfter an COVID-19 erkrankten. Das habe mit den Wohnverhältnissen zu tun, mit den Möglichkeiten zum Homeoffice und der Aufklärung über Gesundheitsthemen und Prävention.

Es gebe auch Sprachbarrieren. Gesundheitsbewusstes Verhalten müsse erlernt werden, sagte Spahn. Hier spielten neben den genannten Aufklärungskampagnen die Hausärzte eine ganz wichtige Rolle.

Zur Frage, ob unter den Erkrankten vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund seien, gebe es indes keine belastbaren Zahlen. „Natürlich ist es so, dass Menschen in bestimmten Lagen insgesamt ein grö­ße­res Risiko haben, infiziert zu werden“, sagte der RKI-Chef Wieler. Das sei seit vielen Jahren in der Ge­sundheitsforschung bekannt. Es ließe sich aber nicht erfassen, wie viele Menschen mit Migrationshinter­grund auf den Intensivstationen lägen. © dpa/kna/bee/aerzteblatt.de


/picture alliance, Mareen Fischinger

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