Erfahrungen aus Israel bestätigen hohe Wirksamkeit von Biontech-Impfstoff BNT162b2

Deutsches Ärzteblatt vom 25.2.2021

Die Durchimpfung der Bevölkerung mit BNT162b2 hat in Israel auf dem Höhepunkt einer 3. Welle der Epidemie mit einer starken Ausbreitung der britischen Variante B.1.1.7 zu einem raschen Rückgang der Infektionen, COVID-19-Fälle, Hospitalisierungen und schweren Erkrankungen geführt.

Die Auswertung der Daten des größten Krankenversicherers im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2101765) bestätigt im wesentlichen die Ergebnisse der klinischen Studien und der bisherigen Laboranalysen zur Auswirkung von Virusvarianten.


Israel hat alles richtig gemacht. Die Regierung hat sich frühzeitig ausreichend Impfstoffe gesichert. Die Impfkampagne begann bereits am 6. Dezember. Inzwischen hat ein Großteil der Bevölkerung bereits beide Dosen der Biontech-Vakzine BNT162b2 erhalten.

Ein glücklicher Umstand für die epidemiolo­gische Forschung ist, dass die Krankenversicherer umfang­reiche Daten zu ihren Patienten sammeln. Ein Team um Ran Balicer von Clalit Health Services, dem größten der 4 Krankenversicherer des Landes, konnte deshalb die Auswirkungen der Impfungen rasch und zuverlässig untersuchen.

In einer Beobachtungsstudie vergleichen die Forscher die Zahl der Erkrankungen in 2 Gruppen von jeweils 596.618 Geimpften und Nicht-Geimpften, deren demografische und klinische Eigenschaften nahezu identisch waren. Dies vermeidet in Beobachtungsstudien Verzerrungen, die sich bei der Analyse leicht ergeben können, wenn einzelne Gruppen bevorzugt geimpft werden (etwa Pflegeheimbewohner) oder beruflich einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind (wie Angestellte in Gesundheitsberufen). Diese beiden Gruppen wurden deshalb von der Analyse ausgeschlossen.

Die jetzt vorgestellten Daten bestätigen die Ergebnisse der Phase-3-Studie. Dort hatte BNT162b2 eine Impfstoffwirksamkeit von 95 % erzielt, wenn alle symptomatischen Erkrankungen (also COVID-19) gezählt wurden, die 7 Tage oder später nach der 2. Impfung diagnostiziert wurden.

Den gleichen Endpunkt verwenden jetzt die israelischen Epidemiologen: Sie kommen auf eine Impfstoff­wirkung von 94 % für alle COVID-19-Fälle, wobei ein enges 95-%-Konfidenzintervall von 87 bis 98 % die Zuverlässigkeit des Ergebnisses unterstreicht.

Die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte wurde um 87 % (55 bis 100 %) gesenkt, die schweren Erkran­kungen gingen um 92 % (75 bis 100 %) zurück.

Die Impfung verminderte auch die Gesamtzahl der dokumentierten Infektionen um 92 % (88 bis 95 %), weshalb die Impfung auch einen Beitrag zur Überwindung der 3. Welle geleistet hat. Sofern die Impf­wirkung anhält und keine neuen Varianten auftreten, dürfte das Land von einer 4. Welle verschont bleiben.

Die Auswirkungen der Varianten konnte Balicer in der Analyse nicht berechnen. Tatsache ist aber, dass zuletzt bis zu 80 % der Infektionen in Israel durch die britische Variante B.1.1.7 ausgelöst wurden. Labor­studien hatten gezeigt, dass das Serum von mit BNT162b2 bei geimpften Personen eine Infektion von Zellkulturen mit B.1.1.7 verhindern kann. Die hohe Schutzwirkung, die trotz der Ausbreitung der Variante in Israel erzielt wurde, spricht dafür, dass der Impfstoff weiter wirksam ist.

Welche Auswirkungen die südafrikanische Variante B.1.351 haben wird, kann die Studie nicht abschät­zen, da B.1.351 im Untersuchungszeitraum (bis 1. Februar) nur in Ausnahmefällen aufgetreten war. In Laborexperimenten war eine abgeschwächte Wirkung beobachtet worden, die jedoch noch ausreichen könnte.

Die Studie liefert gewisse Anhaltspunkte für die Effektivität einer 1-Mal-Impfung. An den Tagen 14 bis 20 nach der 1. Dosis war die Zahl der dokumentierten Infektionen um 46 % gesunken (40 bis 51 %), die Wirksamkeit gegen COVID-19 betrug 57 % (50 bis 63 %). Die Zahl der Hospitalisierungen ging um 74 % (56 bis 86 %) und die Zahl der schweren Erkrankungen um 62 % (39 bis 80 %) zurück.

Unklar ist natürlich, ob die Wirkung der 1-Mal-Impfung sich mit der Zeit noch verstärkt hätte. In Israel musste nicht über eine mögliche Streckung des Dosisintervalls diskutiert werden, weil genügend Impf­stoff vorhanden war: 96 % der Personen hatten bis zum 1. Februar auch die 2. Dosis erhalten. © rme/aerzteblatt.de


/picture alliance, ZUMAPRESS.com, Nir Alon

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