Engpässe bei Notfallmedikament gegen Corona erwartet, WHO besorgt

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 19. August 2021

Bei dem weltweit zur Behandlung von COVID-19-Patienten eingesetzten Medikament Tocilizumab werden offenbar gravierende Lieferengpässe erwartet. Das gab der Pharmakonzern Roche in dieser Wo­che bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußert sich besorgt über die Ankündigung und ruft Hersteller auf, sich um die Produktion des Medikaments zu bewerben.

Das für verschiedene Formen der Arthritis zugelassene Mittel mit den Handelsnamen Actemra/RoActem­ra war im Juni von der WHO zur Behandlung besonders schwerer COVID-19-Fälle empfohlen worden.

Tocilizumab könne eine wesentliche Rolle dabei spielen, die Sterblichkeit von COVID-19-Patienten und die Wahrscheinlichkeit, dass eine invasive Beatmung nötig wird, zu senken, wenn es zusammen mit Sauerstoff und Kortikosteroiden verabreicht werde.

In den USA erhielt es bereits davor eine Notfallzulassung, die auch den Einsatz bei Kindern ab zwei Jahren vorübergehend erlaubt. So sei der Bedarf an dem Medikament schon vor der WHO-Empfehlung drastisch gestiegen, wie Hersteller Roche jetzt in einem Statement erklärt. Allein in den USA habe es einen Anstieg von 400 Prozent gegeben.

Die Produktion sei bereits deutlich gesteigert worden. Aufgrund von Produktionskapazitätsgrenzen sowie Lieferengpässen bei den Rohstoffen werde man dem großen Bedarf in den kommenden Wochen und Monaten jedoch nicht nachkommen können, heißt es in der Ankündigung.

Gemeinsam mit dem japanischen Pharmahersteller Chugai, der ebenfalls für Tocilizumab relevante Pa­tente hält, habe man beschlossen, diese vorerst nicht gegenüber Herstellern in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen geltend zu machen, um diesen Rechtssicherheit zu geben, wenn diese das Medikament produzierten.

Die WHO begrüßte diesen Schritt und bat Roche in einer Erklärung, alle noch in Lagern vorhandenen Bestände umgehend weltweit zu verteilen und einen Wissenstransfer an mögliche Hersteller zu gewähr­leisten.

Darüber hinaus rief die WHO Produzenten dazu auf, an einem Präqualifizierungsprogramm teilzunehmen. Über diesen Weg könnten qualitätsgesicherte Herstellungsstätten ausgewählt werden, um die Produk­tion schnell zu erhöhen. © alir/aerzteblatt.de


/picture alliance, Sputnik, Kirill Braga

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