Einige Bundesländer bereiten Astraze­neca-Impfungen für Menschen ab 60 Jahre vor

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 1. April 2021

Nach der Entscheidung von Bund und Ländern, den Impfstoff von Astrazeneca in der Regel nicht mehr an Jüngere abzugeben, bereiten einige Bundesländer die Abgabe an Menschen ab 60 Jahre vor: In Berlin soll die Registrierung am heutigen Gründonnerstag starten, in Rheinland-Pfalz kommende Woche. Andere Länder verzichten vorerst auf einen solchen Schritt.

In Berlin sollen Menschen ab 60, die noch keine Impfeinladungen wegen einer anderen Priorität bekom­men haben, ab sofort telefonisch einen Termin vereinbaren können, wie die Senatsverwaltung für Ge­sundheit mitteilte.

Ab Karsamstag können Menschen ab 60 Jahren in Nordrhein-Westfalen (NRW) Termine für Impfun­gen mit dem Präparat von Astrazeneca buchen. Nach Ostern sollen die Coronaschutzimpfungen auch in Hausarztpraxen anlaufen.

Die jüngste Altersbeschränkung für Astrazeneca sei zwar „ein Rückschlag“, räumte NRW-Gesundheits­mi­nister Karl-Josef Laumann (CDU) ein. Die Termine für die über 70-Jährigen würden deswegen aber nicht verschoben. Am Dienstag nach Ostern gehe es, wie geplant, mit den Vereinbarungen für den Jahrgang 1941 los.

In Rheinland-Pfalz sollen die Registrierungen für Menschen zwischen 60 und 69 voraussichtlich am kommenden Mittwoch starten, wie Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) mitteilte. „Mir ist es trotz aller Änderungen ein Anliegen, weiterhin für die Akzeptanz gegenüber AstraZeneca zu werben“, erklärte sie.

Sachsen-Anhalt will von der Möglichkeit, mit der Impfung der Menschen zwischen 60 und 69 zu starten, derzeit hingegen keinen Gebrauch machen. „In Sachsen-Anhalt warten noch viele Menschen über 70 Jahren auf eine Impfung“, erklärte Sozialministerin Pera Grimm-Benne (SPD).

Bund und Länder hatten vorgestern nach einer entsprechenden Empfehlung der Ständigen Impfkom­mission (Stiko) beschlossen, dass das Astrazeneca-Vakzin in der Regel nur noch an Menschen über 60 Jahren verimpft werden soll. Hintergrund sind Fälle von Hirnvenenthrombosen vor allem bei jüngeren Frauen.

Zugleich beschlossen die Landesgesundheitsminister, dass auch Menschen zwischen 60 und 69 bereits jetzt mit Astrazeneca geimpft werden können. Sie sind bislang nicht an der Reihe, außer wenn sie auf­grund einer Vorerkrankung oder einer bestimmten Funktion geimpft werden. Mit Blick auf die unter­schiedliche Handhabung dieses Beschlusses verwies ein Sprecher von Bundes­gesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) auf die unterschiedlichen Astrazeneca-Reserven in den einzelnen Ländern.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, bei der gesamten Impfkampagne sei das Thema Ver­trauen „von enormer Bedeutung“. Dieses Vertrauen entstehe genau daraus, dass die Menschen wüssten, bei den Impfstoffen werde „ganz genau hingeguckt“. Die Bundesregierung und die Länder hätten ebenso wie die Ständige Impfkommission die Erkenntnisse zu dem Impfstoff nicht ignorieren können.

Wenn es Auffälligkeiten gebe, was bei den Fällen von Hirnvenenthrombosen der Fall gewesen sei, „dann wird das auch genau untersucht, dann werden alle Daten ausgewertet“, sagte Seibert. Das könne auch dazu führen, dass es eine geänderte Impfempfehlung gebe. Die Überzeugung der Bundesregierung sei, „dass Vertrauen sich auch gerade daraus aufbaut“.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erklärte in Amsterdam, eine Prüfung habe keine spezifischen Risikofaktoren wie etwa Alter oder Geschlecht für Blutgerinnsel nach einer Astrazeneca-Impfung erge­ben. Die Prüfungen würden aber fortgesetzt.

Der Deutsche Lehrerverband fürchtet wegen der Einschränkung der Astrazeneca-Abgabe erneute Schul­schließungen. Für Lehrer sei vorrangig dieser Impfstoff vorgesehen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Bild-Zeitung. Ohne die Impfung von Lehrkräften könnten die Schulen bei hohen Inzi­denzen aber nicht weiter offengehalten werden. Lehrer und Schüler müssten dann wieder in den Dis­tanz­unterricht. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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