Curevac-Chef sieht Impfstoff zu Unrecht in Kritik

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 18. Juni 2021

Die vorläufig geringe Wirksamkeit des Coronaimpfstoffs von Curevac steht nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Franz-Werner Haas zu Unrecht in der Kritik. Kein anderes Vakzin sei an so vielen Virusvarianten getestet worden, sagte Haas heute.

„Es ist faktisch eigentlich nicht korrekt, die Zahl der vorläufigen Wirksamkeit unseres Coronaimpfstoffs und die Zahlen zur Wirksamkeit anderer Impfstoffe nebeneinander zu stellen“, sagte Haas. In der Studie zum Coronaimpfstoffkandidaten CVnCov seien 29 Virusvarianten enthalten.

Das ursprüngliche Virus, der Wildtyp, spiele kaum mehr eine Rolle. „Die Zahlen zur Wirksamkeit der an­deren Impfstoffe sähen vermutlich anders aus, wenn man deren Stu­dien zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt hätte.“

Curevac hatte vorgestern in einer Pflichtbörsenmitteilung bekanntgegeben, dass sein Coronaimpfstoff einer Zwischenanalyse zufolge eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine COVID-19-Er­kran­kung „jeglichen Schweregrades“ habe. Bei den anderen in der EU zugelassenen Präparaten liegt der Wert deutlich höher.

Das Tübinger Unternehmen möchte in den kommenden zwei bis drei Wochen die Analyse der Daten aus der finalen Studienphase abschließen. Dabei werde sich die Wirksamkeit des Impfstoffs nochmals verän­dern, zeigte sich Haas überzeugt. Sobald dies abgeschlossen sei, werde Curevac mit der EMA beraten, ob man noch weitere Daten benötige.

Die Mitteilung zur vorläufigen Wirksamkeit hatte einen drastischen Sturz des Börsenkurses von Curevac ausgelöst. Haas sagte dazu: „In unserem operativen Geschäft und auch bei unserer Liquidität hat sich seit Mittwoch nichts geändert.“ Das Unternehmen ist weiter überzeugt, seinen Impfstoff bis zur Zulassung zu bringen.

Haas zufolge soll dem auch eine möglicherweise relativ geringe Wirksamkeit nicht im Weg stehen. „An­ge­sichts der Pan­demie kann es nur heißen: Wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, sollte dieser auch zum Einsatz kommen.“ Haas verwies dabei auch auf die zahlreichen Entwicklungsländer, in denen bislang kaum oder gar keine Coronaimpfstoffe verfügbar sind.

Curevac-Investor Dietmar Hopp glaubt auch weiter an das Unternehmen. „Ich bin zuversichtlich, dass Curevac erfolgreich sein wird“, sagte er der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung heute. Dem Portal „mer­kur.de“ sagte Hopp, er bleibe „auf alle Fälle als Investor erhalten.“ „Ich glaube felsenfest an das Unter­nehmen“, fügte er hinzu.

Der Bund hält ebenfalls an seiner Beteiligung an Curevac fest, wie das Wirtschaftsministerium gestern erklärte. Der Bund war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei Cure­vac eingestiegen und hält laut KfW damit einen Anteil von 16 Prozent. Dabei hat die Bundesregie­rung aber keinen Einfluss auf das operative Geschäft, erklärte die Ministeriumssprecherin. © dpa/aerzteblatt.de


Franz-Werner Haas, Vorstandvorsitzender von Curevac. /picture alliance, Christoph Schmidt

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