COVID-19-Vorsorge­maßnahmen zum Schutz des Gesundheitspersonals

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 18.11.2021


Das Gesundheitspersonal spielt eine wesentliche Rolle zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie. Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des Gesundheitspersonals sind essenziell für die Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitssystems.

Wissenschaftler der Universität Bern (Schweiz) und der Universität Triest (Italien) haben die Effektivität und Wirtschaftlichkeit von krankenhausinternen Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des Gesundheitsper­so­nals während der Pandemie anhand eines mathematischen Modells bewertet und die Ergebnisse in PLoS One (2021; DOI: 10.1371/journal.pone.0258700) veröffentlicht.

Infektions-Risiken im Krankenhaus höher

Das Gesundheitspersonal ist aufgrund seiner Rolle bei der Behandlung von infizierten Patienten höheren Risiken für eine COVID-19-Infektion ausgesetzt. Die Ergebnisse der Kohortenstudie mit prä- und asymp­tomatischem Gesundheitspersonal hat ergeben, dass die Fallhäufigkeit von COVID-19-Infektionen bei Gesundheitspersonal höher ist, als dies allein durch eine Infektion in der Gemeinschaft zu erklären wäre.

Die untersuchte Kohorte umfasste etwa 300 Freiwillige aus den Universitätskliniken für Viszerale Chi­rurgie und Medizin sowie der für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabo­lismus am Inselspital und Universitätsspital Bern. Dabei stellten die Forscher fest, dass etwa 10% der Mitarbei­ter im Gesundheitswesen bis zum Ende der Studie einer COVID-19-Infektion ausgesetzt waren.

Basierend auf diesen Beobachtungen haben die Forscher ein mathematisches Modell der SARS-CoV-2-Übertragungswege entwickelt, das die Infektionsquellen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses integrierte. Die Daten wurden verwendet, um zu untersuchen, welche Maßnahmen zur Senkung des Infektionsrisikos und Präventionsstrategien COVID-19-Infektionen am Arbeitsplatz wirksam und kosten­effizient verhindern.

Als wirksame Optionen haben sich Test- und Desynchronisationsprotokolle erwiesen, um eine nosoko­miale Übertragung weitestgehend zu minimieren. „Die Studie zielte darauf ab, ein Modell zu entwickeln, das Kliniken in die Lage versetzt, medizinische und ökonomische Aspekte in die Planung ihrer Präven­tions­maßnahmen miteinzubeziehen.

Wenn die Kosten mitgerechnet werden, ist regelmäßiges Testen die beste Maßnahme im Krankenhaus. In Ländern mit geringeren Einkommen wären Desynchronisation-Maßnahmen beispielsweise kosten­günstiger als Tests“, erläuterte Michael Gerfin vom Volkswirt­schaftlichen Institut der Universität Bern.

Regelmäßige real-time PCR-Tests

Als wirksame Maßnahme zur Vermeidung einer unkontrollierten Ausbreitung von SARS-CoV-2 im Kran­ken­haus empfehlen die Studienautoren regelmäßige real-time PCR-Tests im Abstand von mindestens 7 Tagen, auch bei Beschäftigen ohne Symptome.

Bei real-time PCR-Tests ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Testgenauigkeit von 40 Vermehrungs­zyklen (Ct=40) einer Ct=32 überlegen ist. Die meisten asymptomatischen SARS-CoV-2-Träger wurden erst bei mehr als 32 Zyklen ermittelt, betonen die Studienautoren. Somit zeigt die Studie auch, wie wichtig die Messung mit hoher Sensitivität (Ct=40) ist, um infizierte Mitarbeiter zu detektieren.

Eine Aufteilung der Teams in 2 Gruppen, die sich nicht zeitgleich im Krankhaus betätigen, ist ebenfalls eine Option, die jedoch im Krankhausalltag schnell an ihre Grenzen stößt. Denn in Bezug auf Wirtschaft­lichkeit und Arbeitsplatzproduktivität schneiden Desynchronisationsmaßnahmen deutlich schlechtere ab, so die Einschätzung des Studienautors Guido Beldi von der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin am Inselspital der Universität Bern.

„Aufgrund der Studienresultate kann für die Schweiz ein regelmäßiges, breit abgestütztes Testregime mit klaren Folgemaßnahmen als Vorsorgestrategie der Wahl angesehen werden. Damit auch die Desyn­chronisation einen höheren Stellenwert erhält, wären Möglichkeiten für Remote-Funktionen noch näher zu prüfen“, schilderte Beldi.

Zusammenfassend zeigte die Studie, dass häufige Tests von prä- und asymptomatischen Mitarbeitern im Gesundheitswesen wirksam sind, um Infektionen zu erkennen und die Übertragung zwischen Kollegen zu verhindern.


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