COVID-19: Verdopplung des Hospitalisierungs­risikos bei zu hohem Blutdruck

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag 26.7.2022


Bluthochdruck könnte das Risiko für eine Hospitalisierung bei Menschen, die sich mit der Omi­kron-Variante von SARS-CoV-2 infizieren, mehr als verdoppeln – selbst wenn sie 3-mal gegen COVID-19 ge­impft sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse aus den USA, die in Hypertension veröffentlicht wurde (2022; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.122.19694).

Die Autoren betonen, dass der Effekt des Bluthochdrucks auf die Schwere der COVID-19-Errkankung selbst bei Patienten ohne andere chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Nierenerkrankung oder Herzinsuffi­zienz zu beobachten gewesen sei.

„Unsere Daten zeigen, dass nicht nur ältere Menschen mit Grunderkrankungen gefährdet sind“, sagte Joseph Ebinger, Professor für Kardiologie und Direktor für klinische Analytik am Smidt Heart Institute des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, USA.

„Durchbruchinfektionen mit Omikron, die schwer genug sind, um eine Hospitalisierung erforderlich zu ma­chen, können bei Erwachsenen aller Altersgruppen vorkommen. Dies gilt insbesondere, wenn die Person hohen Blutdruck hat, selbst wenn keine andere schwere Erkrankung vorliegt.“

Der US-Kardiologe ergänzte: „Die am stärksten gefährdeten Menschen sind nicht unbedingt diejenigen, von denen wir das denken. Sie sind nicht die Kränksten der Kranken und das war eine überraschende Erkenntnis.“

Retrospektive Studie aus der letzten Omikron-Welle in Los Angeles

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer retrospektiven Studie 912 Erwachsenen, die mindes­tens 3-mal mit einem mRNA-Vakzin gegen COVID-19 geimpft waren. Sie wurden während einer Omikron-Welle zwischen De­zember 2021 und April 2022 in der Region Los Angeles behandelt.

Es zeigte sich, dass von den 912 Studienteilnehmern mit COVID-19 fast 16 % einer Behandlung im Kranken­haus bedurften. Mit einem höheren Risiko für Hospitalisierung in Zusammenhang standen höheres Alter, Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankung, Herzinfarkt, Herzinsuffi­zienz und die Zeit zwischen der letzten Impfung und der COVID-19-Infektion.

Patienten mit hohem Blutdruck benötigen 2,6-mal häufiger eine Krankenhausbehandlung wegen einer schwe­ren COVID-19-Erkrankung, selbst wenn sie ansonsten keine schweren gesund­heitlichen Beeinträch­ti­gungen aufwiesen. Von den 145 hospitalisierten Patienten hatten 125 (86,2 %) zu hohen Blutdruck.

„Wir müssen das Bewusstsein und das Verständnis dafür erhöhen, dass eine Dreifachimpfung nicht bei jedem eine schwere COVID-19-Erkrankung verhindert, speziell nicht bei Menschen mit Bluthochdruck“, sagte Ebin­ger.

„Wir müssen außerdem näher erforschen, weshalb es eine Verbindung zwischen Bluthochdruck und erhöhtem Risiko für schwerem COVID-19 gibt.“ Die Forscher merken an, dass ihre Erkenntnisse auf den Daten eines ein­zigen Krankenhauses beruhten, sie seien demzufolge möglicherweise nicht verallgemeinerbar.


/David Pereiras, stock.adobe.com

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