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COVID-19: Remdesivir-resis­tente Viren bei immunsupprimierten Patienten gefunden

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 27.9.2022


An einer US-Klinik haben 2 immunsupprimierte Patienten unabhängig voneinander nach einer Be­handlung von COVID-19 mit Remdesivir eine Resistenz entwickelt, die auf derselben Mutation beruhte, deren Auftreten zuvor in Laborexperimenten vorhergesagt wurde. Die in Clinical Infectious Diseases (2022; DOI: 10.1093/cid/ciac769) vorgestellten Fallberichte zeigen, dass beim Einsatz des Virustatikums bei immunsup­primierten Patienten Vorsicht geboten ist.

Die beiden Patienten in den 50er- und 60er-Lebensjahren waren nach einer Nierentransplan­tation durch Medi­kamente immunsupprimiert. Ein Patient hatte zusätzlich wegen eines B-Zell-Lymphoms eine Chemothe­rapie erhalten. Wie John Hogan von der Grossman School of Medicine in New York und Mitarbeiter berichten, waren beide gegen COVID-19 geimpft, hatten sich aber trotzdem infiziert.

Wie häufig bei abwehrgeschwächten Patienten nahmen die Infektionen einen chronischen Verlauf. Beide Pa­tien­ten erhielten im Abstand von mehreren Wochen 2 Zyklen mit Remdesivir. Als die Infektion weiter anhielt, wurde eine Genomsequenzierung von SARS-CoV-2 durchgeführt. Bei beiden Patienten wurde dieselbe Muta­tion V792I im Gen nsp12 von SARS-CoV-2 gefunden.

Das Gen enthält die Information für die RNA-abhängige RNA-Polymerase, mit der SARS-CoV-2 in den Zellen sein Erbgut kopiert, was eine zentrale Voraussetzung für eine Replikation ist.

Remdesivir erzielt seine Wirkung durch die Blockade der Polymerase und die Mutation V792I schwächt diese Blockade. V792I gehört zu den Mutationen, die ein anderes Forscherteam im Labor entdeckt hatte, als sie Zell­­­­kulturen wiederholt mit SARS-CoV-2 infizierte und dabei steigende Dosierungen der Remdesivir-Vorstufe GS-441524 hinzufügte (Science Translational Medicine 2022; DOI: 10.1126/scitranslmed.abo0718).

Die Vorhersagen aus den Laborexperimenten haben sich damit erfüllt. Wie häufig V792I ist, steht derzeit nicht fest. In der Datenbank GISAID ist sie unter 11 Mio. Genomen von SARS-CoV-2 weniger als 300 Mal aufgetre­ten.

Dies spricht zunächst gegen die Gefahr einer weiteren Ausbreitung. Möglicherweise schwächt die Mutation die Fitness des Virus, so dass es sich nicht gegen andere Varianten behaupten kann – außer bei Patienten, die mit Remdesivir behandelt wurden. Bei Immunsupprimierten Patienten lag die Prävalenz in einer Studie bei 7,1 % (medRxiv 2022; DOI: 10.1101/2022.03.02.22271697).

Remdesivir wird laut Hogan häufig bei Organtransplantierten eingesetzt, da das neuere Paxlovid (eine Kombi­nation aus Nirmatrelvir und Ritonavir) Wechselwirkungen mit den Immunsuppres­siva hat. Der Mediziner rät bei immunsupprimierten Patienten, die erfolglos mit Remdesivir behandelt wurden, nach V792I oder anderen möglichen Resistenzmutationen zu suchen.

In Zukunft könnten die Tests auch vor der Behandlung durchgeführt werden. Da die RNA-Polymerase bei Co­ro­na­viren sehr fehleranfällig ist, kommt es schnell zu Mutationen. Um einen Wirkungsverlust zu verhindern, sollten nach Ansicht von Hogan kombinierte Therapien mit Remdesivir und anderen Virustatika oder mono­klo­nalen Antikörpern erwogen werden.


/CROCOTHERY, stock.adobe.com

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