COVID-19: Neue Erkrankungswelle in Südafrika durch Varianten BA.4 und BA.5

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 2. Mai 2022


In Südafrika haben sich die Erkrankungszahlen an COVID-19 innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Es droht eine neue Krankheitswelle. Sie wird durch die Varianten BA.4 and BA.5 getragen, die Forscher der Universität Stellenbosch erst vor einigen Wochen entdeckt haben.

Südafrika hatte die Omikron-Welle relativ rasch überstanden. Seit dem 18. Dezember war die Zahl der COVID-19-Fälle zurückgegangen. Doch im April ist der 7-Tage-Durchschnitt der Erkrankungen wieder von 1.170 auf 4.277 angestiegen, zuletzt war es innerhalb einer Woche zu einer Verdopplung gekommen. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums dominieren derzeit die Varianten BA.4 and BA.5 das Infektions­geschehen, die in Deutschland bisher nur in Einzelfällen beobachtet wurden.

Das Team um Tulio de Oliveiras von der Universität in Stellenbosch nahe Kapstadt vermutet, dass die beiden Subvarianten von Omikron bereits Mitte November entstanden sind.

Zunächst waren es nur vereinzelte Fälle, die unter den vielen Mutanten, die ständig infolge der fehler­anfälligen Kopierenzyme von SARS-CoV-2 entstehen, nicht weiter auffielen. Anfang März war der Anteil dann auf etwa 5 % gestiegen. Mitte April wurden BA.4 und/oder BA.5 bereits in 7 der 9 Provinzen des Landes gefunden. Bis zum 18. April war der Anteil auf 60 % bis 75 % der sequenzierten Fälle gestiegen.

In der jüngsten Publikation kommt de Oliveiras zu dem Ergebnis, dass BA.4 gegenüber BA.2 einen Wachstumsvorteil von 8 % hat, bei BA.5 könnte er sogar 12 % betragen.

Ob dies ausreicht, um vor dem Hintergrund einer hohen Seroprä­valenz eine erneute Epidemie auszulösen – es wäre nach dem Wildtyp und den Varianten Alpha, Beta und Omikron die 5. Welle in Südafrika – werden die nächsten Wochen zeigen. Unklar ist auch, ob BA.4 und BA.5 zu schwereren Verläufen führen als Omikron.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen sei zwar gestiegen, erklärte der Gesundheitsminister Joe Phaahla am Freitag gegenüber der Presse. Die Zahl der Intensivpatienten und der Todesfälle sei jedoch weitgehend stabil.

Bezogen auf das Spikeprotein sind BA.4 und BA.5 identisch. Gegenüber BA.2 gibt es eine zusätzliche Deletion an Position 69-70 am N-terminalen Ende des Proteins sowie 2 Punktmutationen, L452R und F486V, innerhalb der Rezeptorbin­dungsstelle. Dies könnte ebenso wie die Rückkehr zum Wildtyp an Position Q493 das Bindungsverhalten der neutralisierenden Antikörper verändern. Ob damit eine Abschwächung der Immunität nach einer Impfung oder nach einer Erkrankung verbunden ist, lasse sich derzeit nicht beurteilen, schreibt das Team um de Oliveiras in dem Paper, das zunächst auf medRxiv veröffentlicht werden soll.

Weitere Mutationen von BA.4 und BA.5 betreffen das Innenleben von SARS-CoV-2: Dies sind die Mutationen ORF7b:L11F und N:P151S und die Deletion NSP1:141-143del. Bei BA.5 liegt noch eine M:D3N-Mutation vor. Diese Mutationen könnten theoretisch die Replikation des Virus verändern, auf die Antikörperantwort haben sie keinen Einfluss.


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