COVID-19: Myokarditiden unter hospitalisierten Patienten sehr selten, aber gefährlich

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 13. April 2022


Eine akute Myokarditis, die von verschiedenen Viren ausgelöst werden kann, ist eine seltene Komplikation von COVID-19 geblieben. Eine internationale Studie, die vor der Einführung der Impfungen die Erfahrungen aus 23 Kliniken gesammelt hat, ermittelt in Circulation (2022; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.056817) eine Prävalenz von 2,4 Erkrankungen auf 1.000 hospitalisierte Patienten.

Eine akute Myokarditis, also eine Entzündung des Herzmuskels, ist eine seltene aber schwerwiegende Erkrankung. Sie kann die Pumpleistung deutlich herabsetzen und über eine Schädigung des Reizlei­tungs­systems tödliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Eine Myokarditisepisode kann von selbst oder nach einer Behandlung abklingen oder zu lang anhaltenden Schäden führen. Zu Beginn der Pandemie wurde befürchtet, dass SARS-CoV-2 den Herzmuskel infizieren kann. Inzwischen steht fest, dass die kardialen Schäden, etwa ein Anstieg des Troponins, eher Folge der schweren Entzün­dungsreaktion sind.

Wie häufig eine „echte“ Myokarditis ist, lässt sich nur schwer feststellen, da die Diagnose im Idealfall eine Herzmuskelbiopsie erfordert. Die zweitbeste Möglichkeit ist eine Magnetresonanztomografie, in der die entzündlichen Ödeme und die unregelmäßigen Ischämien sichtbar werden. Beide Untersuchungen wer­den regelmäßig nur an größeren Zentren durchgeführt, weshalb es schnell zu einer Unterdiagnose kommen kann.

Ein Team um Enrico Ammirati vom De Gasperis Cardio Center in Mailand hat deshalb bei 23 größeren kardiologischen Kliniken in den USA und Europa nach der Häufigkeit einer Myokarditis gefragt.

Ergebnis: Von 56.963 Patienten, die bis Ende April 2021, also bevor die Impfkampagne an Fahrt aufge­nommen hatte, behandelt worden waren, sind nur 97 an einer möglichen akuten Myokarditis erkrankt. Bei 54 Patienten wurde die Diagnose durch eine Biopsie (17 Patienten) und/oder durch eine Magnetreso­nanztomografie (50 Patienten) bestätigt.

Ammirati ermittelt eine Prävalenz bei Krankenhauspatienten mit COVID-19 von 2,4 Fällen pro 1.000 Krankenhauseinweisungen (wenn nur sichere/wahrscheinliche Diagnosen berücksichtigt wurden) und von 4,1 pro 1.000 Patienten (wenn auch mögliche Diagnosen einbezogen wurden). Interessanterweise waren die meisten Patienten mit einem medianen Alter von 38 Jahren relativ jung und häufiger männlich (61,1 %). Bei der Aufnahme waren Brustschmerzen (55,5 %) und Atemnot (53,7 %) die häufigsten Symptome. Mehr als die Hälfte der Fälle (57,4 %) traten ohne begleitende Pneumonie auf.

Bei 1/3 (38,9 %) der Patienten kam es zu einem fulminanten Verlauf, der eine inotrope Unterstützung oder vorübergehende mechanische Kreislaufunterstützung erforderlich machte.

Die meisten Patienten erholten sich innerhalb kurzer Zeit. Die mediane Liegezeit in der Klinik betrug 13 Tage. Insgesamt 38 Patienten (70,4 %) verbrachten 6 Tage auf einer Intensivstation.

Die Sterberate (in den ersten 120 Tagen) betrug 6,6 %. Bei den Patienten mit einer begleitenden Pneu­mo­nie starben jedoch 15,1 % der Patienten. Unter den Patienten ohne Pneumonie gab es keine Todes­fälle. Bei den meisten Patienten erholte sich die linksventrikuläre Ejektionsfraktion von median 40 % bei der Aufnahme auf 55 % bei der Entlassung.


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