COVID-19: mRNA-Impfstoffe bei abwehrgeschwächten Patienten schwächer wirksam

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 5.11.2021


Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 bei immungeschwächten Personen nur eine verminderte Antikörperantwort erzielt. Eine größere Test-negative Fall-Kontrollstudie in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR, 2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7044e3) bestätigt jetzt, dass es häufiger zu Hospitalisierungen wegen COVID-19 kommt.

Da sich in den meisten Ländern nicht prospektiv erfassen lässt, wie viele Menschen trotz einer Impfung erkranken, bedienen sich die Forscher der Test-negativen Fall-Kontrollstudie. Sie ermittelt zunächst, wie viele Menschen, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden, mit SARS-CoV-2 infiziert sind. Dann werden die Impfquoten von positiv und negativ getesteten Personen verglichen. Wenn der Test bei allen Erkrankten negativ ausfällt, beträgt die Impfstoffwirksamkeit 100 %. Sind unter den Erkrankten auch Geimpfte, fällt die Impfstoffwirksamkeit.

Peter Embi vom Regenstrief Institute in Indianapolis und Mitarbeiter haben die Daten von 89.680 hospi­talisierten Patienten ausgewertet, die vom VISION-Network der Centers for Disease Control and Prevention in 9 US-Staaten registriert wurden. Bei den 69.116 Patienten ohne Hinweise auf eine Immun­schwäche erzielten die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe die erwartete Impfstoffwirksamkeit von 90 % (95-%-Konfidenzintervall 89 % bis 91 %). Der Impfstoff mRNA-1273 von Moderna war mit 93 % (92-94 %) etwas stärker wirksam als BNT162b2 von Biontech-Pfizer mit 88 % (86-89 %). Die Impfstoff­wirksamkeit gibt hier den Schutz vor einer schweren Erkrankung an, die im Krankenhaus behandelt werden muss.

Bei den immungeschwächten Patienten war die Schutzwirkung etwas geringer. Embi ermittelt eine Impfstoffwirksamkeit von 77 % (74-80 %). Auch hier schützt mRNA-1273 (81 %; 76-85 %) etwa besser als BNT162b2 (71 %; 65-76 %).

Am niedrigsten war die Schutzwirkung mit 59 % (38-73 %) bei Patienten nach Organtransplantation oder Stammzelltherapie: mRNA-1273 70 % (46-83 %) und BNT162b2 45 % (13-66 %).

Etwas besser war die Schutzwirkung mit 74 % (62-83 %) bei Patienten mit hämatologischen Maligno­men: mRNA-1273 85 % (74-92 %) und BNT162b2 62 % (42-75 %).

Kaum eingeschränkt war die Schutzwirkung mit 81 % (75-86 %) bei Patienten mit rheumatologischen oder entzündlichen Erkrankungen: mRNA-1273 78 % (65-86 %) und BNT162b2 78 % (69-84 %).

Embi rät deshalb allen Patienten mit Abwehrschwächen zu einer 3. Dosis des Impfstoffs, wobei Patienten nach Organtransplantation oder Stammzelltherapie diese am dringendsten benötigen dürften.


/Anna Kosolapova, stock.adobe.com

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