COVID-19: Masken haben Infektionsrisiko an US-Schulen gesenkt

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 9. März 2022


Im US-Staat Arkansas kam es während der Delta-Welle in Distrikten mit allgemeiner Maskenpflicht an Schulen unter Schülern und Lehrern zu signifikant weniger Infektionen mit SARS-CoV-2 als in Distrikten ohne Maskenpflicht. Dies kam in einer Studie im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2022; DOI: 10.15585/mmwr.mm7110e1) heraus.

In den USA ist die Maskenpflicht an Schulen mindestens so umstritten wie in Deutschland. Der US-Staat Arkansas überließ es im Herbst 2021 den Schulbehörden der einzelnen Distrikte, eine Maskenpflicht anzuordnen oder nicht. Dies ermöglichte es jetzt einem Team um Catherine Donovan von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, die Auswirkungen auf die Infektionszahlen zu untersuchen. SARS-CoV-2 hatte während der Delta-Welle die Schulen erreicht. Die Inzidenz war in der letzten Augustwoche mit 745 pro 100.000 unter Schülern und dem Schulpersonal (Lehrer und andere Angestellte) deutlich höher als im Rest der Bevölkerung, wo auf 100.000 Personen 359 Infektionen kamen. Die Impfquote unter Schülern war noch niedrig. Sie stieg bis Mitte Oktober leicht von 13,5 % auf 18,6 % an. Vor diesem Hintergrund könnten allgemeine Maßnahmen wie das Tragen von Masken im Unterricht dazu beitragen, die weitere Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Tatsächlich kam es in den Distrikten, in denen die schulische Maskenpflicht eingeführt wurde, zu einem um 23 % schnelleren Rückgang der Infektionszahlen als in den Distrikten ohne Maskenpflicht. Die von Donovan ermittelte Relative Inzidenzrate (IRR) von 0,77 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,66 bis 0,88 statistisch signifikant. Der Rückgang war beim Personal (IRR 0,76; 0,64-0,90) und bei Schülern (IRR 0,77; 0,66-0,89) gleich stark. Er war in Grundschulen, Mittel- und Oberstufe nachweisbar.

In Distrikten, in denen eine abgeschwächte Maskenpflicht galt (etwa mit Befreiung von Sport- und Musikunterricht oder auf dem Schulhof), gingen die Infektionen weniger stark und statistisch nicht signifikant zurück (IRR 0,88; 0,77-1,01).

In einer 2. Analyse, die die beobachteten mit den zu erwartenden Infektionen verglich, war ebenfalls eine signifikante Schutzwirkung der Maskenpflicht zu erkennen. Erneut fiel der Effekt in den Distrikten mit vollständiger Maskenpflicht stärker aus als in den Distrikten mit teilweiser Maskenpflicht, was sich als Dosis-Wirkungsbeziehung deuten lässt, die in epidemiologischen Studien auf eine Kausalität hinweist.

Besonders anschaulich wird der Effekt in einer dritten Analyse. Die CDC-Mitarbeiter vergleichen dort in einer Zeitreihenanalyse den zeitlichen Verlauf der Infektionen in den 26 Distrikten, die sich für eine vollständige Maskenpflicht entschieden hatten. Unter Schülern und Lehrern kam es innerhalb von 1 Woche nach der Einführung der Maskenpflicht zu einem sprunghaften Rückgang der Inzidenz um mehr als 400/100.000, während die Infektionszahlen im Rest der Bevölkerung nur langsam und stetig zurückgingen. Dies spricht dafür, dass die Maskenpflicht und nicht allein der allgemeine Rückgang der Infektionszah­len – die Delta-Welle hatte ihren Höhepunkt bereits überschritten – die sinkenden Infektionen bei Schülern und Schulpersonal erklärt.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die CDC-Mitarbeiter keine Informationen über weitere Maßnahmen der Schulen hatten, etwa zur Belüftung der Klassenräume. Es war auch unklar, in welchem Maße die Regeln an den Schulen umgesetzt wurden. Durch den Vergleich mit der übrigen Bevölkerung lässt sich jedoch ausschließen, dass andere Unterschiede zwischen den Distrikten, etwa die Testintensität, die Ergebnisse verfälscht haben.


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