COVID-19-Impfung: Sprachbarrieren und Falschwissen große Hindernisse

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 3.2.2022


Sprachbarrieren und Falschwissen können einen Großteil der Impfquotenunterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationsgeschichte in Deutschland erklären. Das zeigt die neunte Welle des „COVID-19 Impfquoten-Monitorings in Deutschland“ (COVIMO).

Seit Anfang 2021 erhebt COVIMO das Impfverhalten, die Impfbereitschaft und -akzeptanz der COVID-19-Impfung in der Bevölkerung. Dazu befragt das Berliner Markt- und Sozialforschungsinstitut USUMA einen Bevölkerungsquerschnitt telefonisch. Auftraggeber ist das Robert-Koch-Institut (RKI).

Bei der jetzt vorliegenden neunten Erhebungswelle befragten die Marktforscher von Anfang November bis Mitte Dezember vergangenen Jahres 1.017 Personen ohne Migrationsgeschichte und 1.015 Personen mit Migrationsgeschichte zur COVID-19-Impfung. Bei den Personen mit Migrationsgeschichte konnte das Interview erstmals auch in Arabisch, Türkisch, Russisch, Polnisch oder Englisch erfolgen.

Es zeigte sich: Höherer sozioökonomischer Status (Bildung und Einkommen) und höheres Alter wirken sich bei Menschen mit Migrationsgeschichte positiv auf die Impfquote aus. Sprachbarrieren können zu­dem einen Großteil der Impfquotenunterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationsgeschichte erklären.

„Tatsächlich zeigt sich nach Sprache ein größerer Unterschied in den Impfquoten als nach Migrationsge­schichte: Je besser die Deutschkenntnisse eingeschätzt werden, umso höher ist die Impfquote“, so die Stu­dienautoren.

Für alle Befragten gelte zudem: Mit zunehmendem Vertrauen in die Sicherheit der Impfung und in das deutsche Gesundheitssystem steige die Chance geimpft zu sein. Auch je größer die Überzeugung sei, mit der Impfung Freiheiten zurückzugewinnen, desto größer sei die Chance, geimpft zu sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut der Umfrage Falschwissen zu den Coronaimpfungen. „Falschwissen und besonders Unsicherheiten zu der COVID-19-Impfung sind weit verbreitet. Unter Personen mit Migra­tionsgeschichte findet sich signifikant mehr Unsicherheit und Falschwissen als bei Personen ohne Mi­grationsgeschichte“, berichten die Studienautoren.

Als Beispiel nennen sie das Thema Kinderwunsch: Von den Befragten ohne Migrationsgeschichte sind sich 51 Prozent unsicher, ob die Impfung auch bei Personen mit Kinderwunsch sicher ist, vier Prozent beantworten die Frage falsch. Bei den Befragten mit Migrationsgeschichte sind es 58 Prozent unsicher und elf Prozent meinen fälschlicherweise, dass die Impfung für Personen mit Kinderwunsch nicht sicher sei.

Bei einer Veranstaltung des Mediendienstes Integration plädierten Elisa Wulkotte, wissenschaftliche Mitarbeiterin am RKI, und die Bielefelder Gesundheitswissenschaftlerin Doris Schaeffer deshalb dafür, gezielter auf Menschen mit Migrationsgeschichte zuzugehen und Informationen in verschiedenen Herkunftssprachen zu geben.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan mahnte heute vor Veröffentli­chung der Untersuchungsergebnisse eine gezielte An­sprache von Menschen mit Einwanderungsge­schichte an. Sie setze dabei vor allem auf aufsuchende Be­ra­tung und Aufklärung in verschiedenen Spra­chen, sagte die SPD-Politike­rin heute im ARD-„Morgen­ma­gazin“. „Wir müssen da jetzt wirklich große Anstrengungen setzen.“


/picture alliance, Bernd Thissen

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