COVID-19: Impfung schützt vor schweren Verläufen in der Schwangerschaft

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 27.9.2022


Impfungen gegen COVID-19 erzielen auch bei Schwangeren eine hohe Schutzwirkung. Dies zeigt eine Test-negative Fall-Kontroll-Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die jetzt in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.33273) publiziert wurde.

Schwangere waren von der Teilnahme an den randomisierten Studien ausgeschlossen, in denen die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eine hohe Schutzwirkung vor COVID-19 erzielt hatten.

Es war zwar anzunehmen, dass die Impfung Schwangere in gleichem Maße schützt. Davon gehen internatio­nal auch die Impfkommissionen aus. Sie raten dringend zu einer Impfung mit einer mRNA-Vakzine, da COVID-19 in der Schwangerschaft mit erhöhten Risiken für Mutter und Kind verbunden ist.

Eine abschließende Bestätigung zur Impfwirksamkeit stand jedoch noch aus. Die CDC haben hierzu im Rah­men des VISION-Netzwerks an 306 Kliniken und 164 Notfallambulanzen eine Test-negative Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Dabei wurde der Impfstatus von zwei Gruppen verglichen.

Die 1. Gruppe waren Schwangere, die wegen COVID-19 in Notfallambulanzen oder im Krankenhaus betreut wurden. Je geringer der Anteil der Geimpften an den Erkrankten ist, desto höher ist die Impfeffektivität.

Als Vergleichsgruppe dienten dabei Patientinnen mit COVID-19-artigen Beschwerden, bei denen der Test auf SARS-CoV-2 aber negativ ausgefallen war. Test-negative Fall-Kontroll-Studien sind ein gängiges Instrument, um die Wirksamkeit der jährlichen Grippeimpfungen zu untersuchen.

Ruth Link-Gelles und Mitarbeiter der CDC in Atlanta unterschieden bei ihrer Analyse zwischen leichten Er­krankungen, die zum Besuch einer Notfallambulanz führten, und schweren Erkrankungen, die eine Hospi­ta­lisierung erforderlich machten.

Während der Delta-Welle betrug die Schutzwirkung vor einem Notfallambulanzbesuch 84 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 69 % bis 92 %, wenn die 2. Dosis 14 bis 149 Tage zurücklag. Die Impfwirksamkeit sank auf 75 % (5-93 %), wenn 150 oder mehr Tage seit der 2. Dosis vergangen waren. Eine Boosterdosis steigerte die Impfwirksamkeit wieder auf 81 % (30-95 %).

Die Schutzwirkung vor COVID-19-bedingten Krankenhauseinweisungen war in allen 3 Gruppen mit 99 % (96-100 %), 96 % (86-99 %) und 97 % (79-100 %) sehr hoch.

In der Omikron-Welle ging die Schutzwirkung der Grundimmunisierung vor den leichteren Erkrankungen verloren. Link-Gelles ermittelte eine nicht signifikante Impfwirksamkeit von 3 % (-49 % bis 37 %) für die ersten 14 bis 149 Tage und von 42 % (-16 % bis 72 %) für längere Abstände seit der 2. Dosis.

Erst der Booster stellte den Schutz für kurze Zeit wieder her: Die Impfwirksamkeit betrug in den ersten 7 bis 119 Tagen nach dem Booster 79 % (59-89 %), danach ging sie wieder verloren.

Vor schweren Erkrankungen mit Krankenhausaufenthalt waren die Schwangeren in den ersten 149 Tagen nach der Grundimmunisierung mit einer Impfwirksamkeit von 86 % (41-97 %) geschützt. Danach war die Impfwirksamkeit von 64 % (-102 % bis 93 %) nicht mehr signifikant. Auch der Booster war hier nur in den ersten 119 Tagen effektiv mit einer Schutzwirkung von 86 % (28-97 %). Danach war die Wirkung schon wieder verflogen.


/Sk Elena, stock.adobe.com

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