COVID-19-Impfstoffe auch für Menschen mit Rheuma verträglich und wirksam

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 3.2.2022


Patienten mit entzündlichen oder autoimmunen rheumatischen und muskuloskelettalen Erkran­kun­gen vertragen COVID-Impfstoffe gut. Das betont die Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) mit Verweis auf die europäische COVAX-Studie mit Registerdaten von mehr als 5.000 Betroffenen. Sie ist im Fachmagazin Annals of the Rheumatic Diseases erschienen (DOI: 10.1136/annrheumdis-2021-221490).

Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wurden laut der Fachgesellschaft bisher in wis­senschaftliche Studien für COVID-Impfstoffe meist nicht einbezogen. „Deshalb sind viele Fragen zum The­ma COVID-Impfung und Rheuma noch unbeantwortet, oft sind Betroffene verunsichert“, erläutert Andreas Krause, Präsident der DGRh.

Die neue Studie wertet die Daten von 5.121 Menschen aus 30 Ländern mit verschiedenen rheumatischen Erkrankungen aus, die mindestens 1 Impfung mit einem COVID-Impfstoff erhalten haben. Unter den von Februar bis Juli 2021 Erfassten litten 90 % an einer chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Ihr Durchschnittsalter lag bei 60,5 Jahren.

Am häufigsten waren die Diagnosen rheumatoide Arthritis, axiale Spondyloarthritis und Psoriasis-Arthri­tis. Davon nahmen 54 % ein konventionelles synthetisches krankheitsmodifizierendes Antirheumatikum (csDMARD), 42 % biologische DMARDs (bDMARD) und 35 % sogenannte immunsuppressive Medikamen­te.

Die meisten von ihnen, 70 % waren mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft, 17 % mit dem von Astrazeneca und 8 % mit dem von Moderna.

Die häufigsten Impfnebenwirkungen waren kurze lokale und systemische Reaktionen auf die Injektion – wie Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle.

„Eine der häufigsten Sorgen von Menschen mit entzündlichen entzündlichen oder autoimmunen rheu­ma­tischen und muskuloskelettalen Erkrankungen ist, dass die COVID-Impfung die rheumatische Grunder­krankung aufflammen lässt“, erläutert Anja Strangfeld vom Programmbereich Epidemiologie am Deut­schen Rheumaforschungszentrum (DRFZ) in Berlin und eine der Autorinnen der COVAX-Studie. Diese belegt einen solchen, meist milde und kurzfristig verlaufenden Krankheitsschub bei 4,4 % der Patienten. In 0,6 % der Fälle war der Schub schwerwiegend. Mehr als 98 % der Patienten hatten zuvor ihre normale Rheumamedikation unverändert fortgesetzt.

Die erhobenen Daten wurden auch herangezogen, um die Wirksamkeit der Impfung zu untersuchen: Bei 0,7 % der Geimpften mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kam es zu einer Durchbruchsinfek­tion. Diese sehr kleine Gruppe steckte sich trotz vollständiger Impfung mit SARS-CoV-2 an.

„Die durch diese Registerstudie gewonnenen Erkenntnisse verbessern die Informationslage erheblich und unterstützen auch die Beratung von Menschen mit rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen, die vor einer SARS-CoV-2 Impfung stehen“, betont Krause. Sie zeigten, dass COVID-Impfungen auch für Men­schen mit Rheuma sicher seien, so sein Fazit.


/dpa, Christoph Schmidt

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