COVID-19: Immunthrombozyto­penie tritt seit Einführung der Impfung häufiger auf

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag.11.2022


Seit dem Beginn der Impfungen gegen COVID-19 ist es an hämatologischen Zentren zu einer Zu­nahme der Behandlungsfälle einer idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) gekommen. Bei einer rechtzeitigen Diagnose sind die Behandlungsergebnisse nach den auf der Jahrestagung der Deutschen Ge­sellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in Wien vorgestellten Ergebnisse sehr gut.

Im Unterschied zu der Vakzine-induzierten immunogenen thrombotischen Thrombozytopenie (VITT), die Anfang vergangenen Jahres für Schlagzeilen sorgte, ist die ITP eine bekannte Komplikation von Impfungen.

Sie wurde vor der Pandemie auch nach Impfungen gegen die Grippe oder Pneumokokken oder auch bei Kindern beobachtet, die gegen Masern/Mumps/Röteln (MMR), Haemophilus influenza, Hepatitis B, Varicella zoster, Diphterie/Tetanus/Pertussis (DTap) oder Polio geimpft wurden. In einigen Fällen können auch die In­fektionen selbst auf bisher unbekannte Weise eine Autoimmunreaktion gegen die Thrombozyten anstoßen.

Während die VITT durch schwere Thrombosen in Venen und Arterien gekennzeichnet ist, kommt es bei der ITP zu einem erhöhten Blutungsrisiko. Typisch sind Petechien, Blutergüsse oder Schleimhautblutungen, die gingival, vaginal oder als Nasenbluten auftreten können.

Nach dem Beginn der Impfkampagne, die 2021 auf immer weitere Bevölkerungsgruppen ausgeweitet wurde, häuften sich an den Spezialambulanzen die ITP-Fälle. Laut Christoph Schaefers vom Zentrum für Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurden dort im Jahr 2021 30 Patienten mit ITP behandelt. Im Jahr 2019 waren es 17 Patienten und im ersten Jahr der Pandemie, aber vor Einführung der Impfungen 18 Fälle gewesen.

Die meisten ITP-Fälle können keiner Ursache zugeordnet werden und gelten deshalb als Idiopathisch. Dies war 2021 bei 20 Patienten der Fall. Bei 8 Patienten war die ITP nach einer COVID-19-Impfung aufgetreten: 3 Patienten hatten AZD1222 (Vaxzevria) von Astrazeneca und 5 Patienten BNT162b2 (Comirnaty) von Biontech erhalten. Die Impfungen lagen bei AZD1222 im Durchschnitt 11 Tage und bei BNT162b2 18,5 Tage zurück, was typisch für eine Immunreaktion ist, die einige Zeit benötigt, um sich zu entfalten.

Die Patienten mit den Impfreaktionen unterschieden sich nicht wesentlich von den übrigen ITP-Patienten. Die Behandlung ist ebenfalls dieselbe. Sie besteht in einer hochdosierten Gabe von Steroiden, die die Immunre­ak­tion stoppen soll.

Einige Patienten erhielten außerdem intravenöse Immunglobuline (IVIG), die die Abwehrlage gegen Infektio­nen verbessern sollen, sowie Thrombopoietin (TPO)-Agonisten, die die Neubildung der Thrombozyten anre­gen.

Bei der Entlassung hatten sich alle Patienten von der Thrombozytopenie erholt. Bei 2 Patienten mit Vakzin-bedingter ITP und 4 Patienten mit idopathischer ITP kam es zu einem Rezidiv, das eine erneute Hospitalisie­rung erforderlich machte. Am Ende haben sich alle Patienten erholt.


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