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COVID-19: Genvariante verringert Sterberisiko um ein Drittel

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 1.8.2022


Etwa jeder 10. Mensch in Europa hat aufgrund einer Genvariante ein deutlich vermindertes Risiko, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu sterben. Dies geht aus einer Studie in Frontiers of Gene­tics (2022; DOI: 10.3389/fgene.2022.960731) hervor.

Nur wenige Menschen erkranken nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 so schwer an COVID-19, dass sie daran sterben. Von 1.570 Patienten, deren Daten Birte Möhlendick vom Universitätsklinikum Essen und Mitarbeiter auswerteten, konnten 205 (13 %) wegen eines milden Verlaufs ambulant weiter behandelt werden, während 760 (48 %) stationär aufgenommen werden mussten. Insgesamt 292 Personen (19 %) mussten intensivme­dizinisch behandelt werden und 313 Menschen verstarben (20 %).

Die Mediziner konnten die bekannten protektiven Faktoren ermitteln, die einen tödlichen Verlauf verhin­der­ten. Dazu gehörten ein jüngeres Alter, ein normaler Blutdruck, die Abwesenheit von Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein normales Blutbild sowie niedrige Entzündungsmarker bei der Kranken­haus­aufnahme.

Neu ist die Erkenntnis, dass auch eine Variante im Gen GNB3 das Risiko auf einen tödlichen Verlauf senkt. GNB3 enthält die Information für die „G Protein Subunit Beta 3“. Es handelt sich um einen Bestandteil von G-Proteinen, die auf vielen Zellen als Rezeptor fungieren. Mutationen in GNB3 wurden in früheren Studien mit unterschiedlichen Krankheiten wie Nachtblindheit, eine essentielle Hypertonie oder eine Adipositas in Verbindung gebracht.

Die neuen Ergebnisse zeigen, dass die Genvariante „GNB3 TT“, die bei etwa 10 % der europäischen Bevöl­kerung vorliegt, das Sterberisiko um etwa ein Drittel senkt. Möhlendick ermittelt eine Odds Ratio von 0,60, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,40 bis 0,92 signifikant war.

Eine mögliche Erklärung ist eine verstärkte Reaktion der SARS-CoV-2-spezifischen T-Zellen, die die Forscher in einem Labortest bei Personen mit der Genvariante „GNB3 TT nachweisen konnten. Die Forscher suchen derzeit nach weiteren Genvarianten, die den Schweregrad von COVID-19 beeinflussen.


/Paulista, stock.adobe.com

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