COVID-19: Empfehlungen bei kardialen Komplikationen

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 18.3.2022


Berichte über Myokarditiden und kardiale Post-COVID-Beschwerden haben in den vergan­ge­nen Monaten für Verunsicherung gesorgt. Sportler fragen sich, wann sie nach einer überstandenen Erkrankung ihr Training wieder aufnehmen können. Das American College of Cardiology (ACC) hat jetzt ausführliche Empfehlungen veröffentlicht (JACC 2022; DOI 10.1016/j.jacc.2022.02.003).

Anfängliche Berichte über schwere Herzschäden durch SARS-CoV-2 haben sich nicht bestätigt. Eine ful­mi­nante Myokarditis, die das Leben des Patienten akut gefährden würde, ist bisher nur sehr selten auf­getreten, unspezifische entzündliche Veränderungen sind jedoch häufig.

Genaue Zahlen gibt es nicht. In einer Studie erfüllten 0,6 % bis 3 % der Sportler bei einer Kontrollunter­su­chung vor Wiederaufnahme des Trainings die modifizierten Lake-Louise-Kriterien für eine klinische Myokarditis.

Eine Myokarditis ist definiert durch 1. kardiale Symptome (wie Brustschmerzen, Dyspnoe, Herzklopfen oder Synkopen), 2. durch einen Anstieg des kardialen Troponins und 3. durch anormale Befunde in EKG, Echokardiografie und kardialer Magnetresonanztomografie. Die genaue Diagnose würde eine Biopsie erfordern, die jedoch selten durchgeführt wird.

Nach der Diagnose empfiehlt das ACC einen „proaktiven“ Behandlungsplan: Patienten mit leichter oder mittelschwerer Myokarditis wird zunächst ein Krankenhausaufenthalt empfohlen, um eine Symptomver­schlechterung rechtzeitig zu erkennen, während sie sich weiteren Untersuchungen und Behandlungen unterziehen können. Patienten mit schwerer Myokarditis sollten idealerweise in Zentren behandelt werden, die Erfahrungen in der Behandlung einer schweren Herzinsuffizienz haben, zu der es bei einer fulminanten Myokarditis kommen kann.

Die Behandlung der Myokarditis erfolgt in der Regel mit Kortikosteroiden, bei einem Verdacht auf eine Perikardbeteiligung kann nach Ansicht des ACC auch eine Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheuma­tika oder Colchicin (eventuell mit Prednison kombiniert) sinnvoll sein, um die entzündlichen Schmerzen zu lindern.

Patienten mit einer fulminanten Myokarditis benötigen eine hochdosierte Steroidbehandlung. Sie kommt auch beim multisystemischen Entzündungssyndrom (MIS-A) zum Einsatz, einer postinfektiösen Reaktion, die wie bei Kindern (MIS-C) mit einem Kreislaufversagen einhergehen kann.

Als Impfkomplikation ist eine Myokarditis sehr selten. Betroffen sind vor allem junge männliche Perso­nen (im Alter von 12 bis 17 Jahren), die bevorzugt nach der 2. Impfdosis erkranken. Die meisten Patienten können nach wenigen Tagen die Klinik verlassen. Prinzipiell, so die ACC-Autoren um Ty Gluckman, sollte die Myokarditis nach einer Impfung genau so betrachtet werden wie bei einer Infektion mit SARS-CoV-2.

Auch im Rahmen eines Long COVID, Mediziner bezeichnen es auch als PASC („post-acute sequelae of SARS-CoV-2 infection“), kann es zu kardialen Symptomen kommen. Häufig sind dies eine Tachykardie, Belastungsintoleranz, Brustschmerzen und Kurzatmigkeit. Das ACC spricht von einem „PASC-Cardiovas­cular Disease“ oder PASC-CVD.

Auch wenn sich häufig keine Hinweise auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bestehen, rät das ACC vor­sichtshalber zu einer Abklärung mit Laboruntersuchungen (einschließlich kardialem Troponin), EKG, Echokardiografie, ambulanter Rhythmusüberwachung und/oder zusätzlichen Lungenuntersuchungen (Röntgenthorax/Computertomografie) und Lungenfunktionstests. Bei auffälligen Testergebnissen wird eine kardiologische Abklärung empfohlen.

Das ACC warnt vor einer Abwärtsspirale, zu der es kommen kann, wenn Patienten mit PASC-CVD sich kör­perlich zu sehr schonen. Müdigkeit und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit können sich dann ge­genseitig verstärken und die Lebensqualität weiter verschlechtern.

Das ACC rät Patienten mit Tachykardie und Belastungsintoleranz zu einem Sportprogramm, wobei ein lie­gendes oder halbliegendes Training (Rudern, Schwimmen oder Radfahren) besser sei als ein aufrechtes Training (Gehen oder Joggen). Die Intensität könnte allmählich gesteigert werden. Wenn die Symptome sich bessern, könnte auf ein aufrechtes Training gewechselt werden.

Bei Leistungssportlern, die unter anhaltenden kardiopulmonalen Symptomen (Brustschmerzen, Kurzat­mig­keit, Herzklopfen, Benommenheit) leiden oder wegen des Verdachts auf eine Herzbeteiligung im Krankenhaus behandelt wurden, wird vor Wiederaufnahme des Trainings zu einer Test-Triade aus EKG, kardialem Troponin und einer Echokardiografie geraten.

Bei Patienten mit auffälligen Testergebnissen sollte eine weitere Untersuchung mit kardialer Magnetre­so­nanztomografie erwogen werden. Personen, bei denen eine klinische Myokarditis diagnostiziert wurde, sollten 3 bis 6 Monate lang auf Sport verzichten.


/Shi, stock.adobe.com

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