COVID-19: BNT162b2 erzielte an Klinik in Israel bereits vor der 2. Dosis hohe Schutzwirkung

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 19. Februar 2021

Die Vakzine BNT162b2 des Herstellers Biontech/Pfizer hat an einer Klinik in Israel die Zahl der symptomatischen COVID-19-Erkrankungen bereits vor der 2. Dosis um 85 % gesenkt. Die Infektiologen halten im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00448-7) eine Verzögerung des 2. Impftermins im Fall von Lieferengpässen für gerechtfertigt. Das Sheba Medical Center, das größte Krankenhaus des Landes, begann am 19. Dezember mit der Impf­ung von 9.109 Angestellten, die in der Krankenversorgung tätig sind. Israel befand sich damals in der 3. Welle, die Mitte Januar ihren Höhepunkt mit über 10.000 Fällen pro Tag erreichte.

Bis zum 24. Januar hatten 7.214 Angestellte ihre 1. und 6.037 ihre 2. Dosis BNT162b2 erhalten. In dieser Zeit wurde bei 170 Mitarbeitern eine Infektion mit SARS-CoV-2 neu diagnostiziert, von denen 99 mit Symptomen einhergingen. Von den 170 Infizierten hatten 78 die erste, aber erst 3 die 2. Dosis erhalten. Die anderen 89 waren noch nicht geimpft.

Das Team um den Klinik-Infektiologen Eyal Leshem ermittelt eine Infektionsrate von 7,4 pro 10.000 Personentage für die nicht geimpften Personen. Unter den Personen, deren 1. Dosis weniger als 14 Tage zurück lag, betrug die Infektionsrate 5,5 pro 10.000 Personentage. Im Zeitraum von 15 bis 28 Tagen nach der 1. Dosis sank sie auf 3,0 pro 10.000 Personentage.

Leshem errechnet einen Rückgang aller SARS-CoV-2-Infektionen um 30 % in den ersten 14 Tagen und um 75 % im Zeitraum von 15 bis 28 Tagen nach der 1. Dosis. Die Reduktion war jetzt mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 72 bis 84 % signifikant. Die Zahl der symptomatischen COVID-19-Erkran­kungen ging sogar um 85 % (71 bis 92 %) zurück.

Die Zahlen bestätigen die Ergebnisse aus den klinischen Studien, in denen BNT162b2 eine Schutz­wirkung von 52,4 % vor der 2. Dosis und von 90,5 % an den Tagen 2 bis 7 nach der 2. Dosis erreichte. Da es nach der 2. Dosis einige Tage dauert, bis die Boosterwirkung einsetzt, könnten die 90,5 % zum größten Teil auf die 1. Dosis zurückzuführen sein.

Mit seiner retrospektiven Analyse kann Leshem die Wirkung einer Einmaldosis nicht zweifelsfrei belegen. Aufgrund des erheblichen und frühzeitigen Rückgangs der SARS-CoV-2-Infektionen und der symptoma­tischen COVID-19-Erkrankungen erscheint es dem Infektiologen jedoch gerechtfertigt, in Ländern mit Impfstoffknappheit oder knappen Ressourcen zunächst auf eine 2. Dosis zu verzichten, um mit einer Einzeldosis eine höhere Bevölkerungsabdeckung zu erreichen. © rme/aerzteblatt.de



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