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COVID-19: Bivalenter Impfstoff erzeugt auch Antikörper gegen BQ 1.1

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 18.11.2022


Der an Omikron BA.4/BA.5 angepasste bivalente COVID-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer schützt vermutlich auch vor der BA.1.5-Sublinie BQ.1.1, die sich derzeit in Deutschland ausbreitet. Darauf deuten Laborstudien des Herstellers hin, deren Ergebnisse in bioRxiv (2022; DOI: 10.1101/2022.11.17.516898) veröffent­licht wurden.

Nach dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts ist der Anteil vom BQ.1.1 in der Kalenderwoche 44/2022 auf über 8 % angestiegen, was einer Vervierfachung innerhalb von 4 Wochen entspricht. BQ.1.1 unter­scheidet sich durch 3 Mutationen im S-Gen (R346T, K444T und N460K) von BA.4/BA.5, dessen S-Gen Bestandteil der aktuellen bivalenten Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna ist.

Ob diese Mutationen zu einer Abschwächung der Impfstoffwirksamkeit führen, ist derzeit nicht bekannt. Der Her­steller hat an der University of Texas Medical Branch in Galveston/Texas zu dieser Frage Labortests durchführen lassen.

An der Studie nahmen Probanden im Alter von über 55 Jahren teil, die nach 3 vorherigen Dosen von 30 µg BNT162b2 (in der originalen Konfiguration) eine 4. Dosis erhalten hatten. Diese enthielt entweder BNT162b2 in der originalen Konfiguration oder BNT162b2 in der bivalenten Konfiguration mit einen Anteil von 15 µg BA.4/5. Die Seren wurden 4 Tage und 1 Monat nach der Impfung entnommen.

Die Untersuchung bestand in einem Fluoreszenz-Fokus-Reduktions-Neutralisationstest („fluorescent focus reduction neutralization test“). Geprüft wurde, wie stark die Seren der geboosterten Personen die Spike-Proteine von verschiedenen BA.1.5-Sublinien neutralisieren.

Dies waren neben dem Wildtyp (USA WAA1/2020) und den Sublinien BA.4/5, auf die der bivalente Impfstoff zugeschnitten ist, die aktuellen Varianten BA.4.6, BA.2.75.2, BQ.1.1 und XBB.1, von denen in Deutschland derzeit nur BQ.1.1 relevant ist.

Nach den von Jing Zou und Mitarbeitern vorgestellten Daten erhöhte der bivalente Impfstoff die Antikörper-Titer (GMT) gegen BA.4/5 von 66 auf 856 (um den Faktor 13,0), während der originale Impfstoff nur einen Anstieg von 82 auf 236 (um den Faktor 2,9) erzielte. Dies bestätigt, dass BNT162b2 in der aktuellen Konfiguration seine Aufgabe besser erfüllt als der originale Impfstoff.

Bei BQ.1.1 kam es nach dem bivalenten Booster zu einem GMT-Anstieg von 29 auf 252 (um den Faktor 8,7) ge­genüber einem Anstieg von 31 auf 58 (um den Faktor 1,8) mit einem monovalenten Booster. BNT162b2 ist in der aktuellen Konfiguration besser in der Lage, vor BQ.1.1 zu schützen als die originale Konfiguration. Die Schutz­wirkung gegen BQ.1.1 könnte jedoch etwas schwächer sein als gegen BA.4/5.

Die Schutzwirkung gegen BQ.1.1 fiel erwartungsgemäß etwas stärker aus, wenn die Probanden außer den Impfungen zwischenzeitlich eine Boosterung durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 erhalten hatten. Der GMT gegen BQ.1.1 stieg durch die 4. Dosis mit dem bivalenten Impfstoff von 74 auf 444 (um den Faktor 6,0). Bei den Personen, die sich bisher nicht mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, stieg die GMT von 11 auf 143 (um den Faktor 12,6) an.

Wie gut die klinische Schutzwirkung gegen BQ.1.1 ausfällt, lässt sich aus Laborstudien nicht sicher ableiten. Die Studie zeigt jedoch, dass eine Impfung mit dem bivalenten Impfstoff zu einem stärkeren Anstieg der Antikörper-Titer führt. Er fiel jedoch insgesamt geringer aus als gegen BA.4/5.



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