COVID-19-Auffrisch­impfung: Humorale Immunantwort bei Krebspatienten von Behandlungsart abhängig

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch,12.10.2022


Patienten mit hämatologischen Neoplasien, die ohne Anti-CD20-Wirkstoffe behandelt wurden, zeigen als Reaktion auf eine COVID-19-Auffrischungsimpfung eine starke humorale Immunantwort. Das galt selbst, wenn sie erst kurz vor der Impfung behandelt wurden, wie eine bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Wien vorgestellte Studie zeigt.

Im Gegensatz dazu zeigten Patienten mit B-Zell-depletierender Therapie vor der Auffrischungsimpfung schlechte Ansprechraten und Antikörpertiter, selbst Monate nach der Krebsbehandlung, berichtete Evgenii Shumilov von der Medizinischen Klinik A (Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Pneumologie) am Universitätsklinikum Münster.

Die Forschungsgruppe um Shumilov analysierte, wie Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen, die an der Uniklinik Münster behandelt wurden, serologisch auf eine mRNA-basierte COVID-19-Auffrischim­pfung ansprachen. Alle Patienten erhielten die Auffrischungsimpfung frühestens 14 Tage vor Einschluss in die Studie. Serokonversion war definiert als eine SARS-CoV-2-IgG II-Konzentration > 100 AU/ml im Blut.

Behandlung mit CD20-Antikörpern oder Chemotherapie

Von 200 eingeschlossenen Patienten hatten 90 % ein B-Zell-Lymphom. Die restlichen Erkrankungen waren unter anderem akute Leukämien, myeloproliferative Neoplasien und T-Zell-Lymphome. Insgesamt 140 Patien­ten (70%) wurden mit einer auf CD20-Antikörpern basierenden B-Zell-Depletion behandelt (mit oder ohne zytotoxische Therapie). Weitere 52 Patienten (26%) erhielten eine konventionelle Chemotherapie und/oder zielgerichtete Therapie, während 8 Patienten (4%) nur überwacht wurden.

Im Median vergingen zwischen der letzten Behandlung und der COVID-19-Auffrischungsimpfung 17 Monate (Spanne von 0-186 Monaten). Genau genommen erhielten 45% der Patienten die COVID-19-Auffrischungs­impfung weniger als 3 Monate nach der letzten Behandlung, 17,5% innerhalb von 3-12 Monaten und 34% mehr als 12 Monate danach.

Konventionelle Therapie erlaubt besseres Ansprechen

Bei den Patienten, die eine konventionelle Therapie erhalten hatten, war nach der COVID-19-Auffrisch­ungs­impfung signifikant häufiger eine Serokonversion und Antikörpertiter zu beobachten als in der Anti-CD20-Gruppe: 88,3 versus 42,1 % (p < 0,01) und 10.166 versus 5.820 AU/ml (p = 0,021).

Auffallend sei gewesen, so Shumilov, dass die zwischen der letzten Behandlung und der Auffrischungsim­pfung vergangene Zeit die Stärke der humoralen Immunantwort entscheidend mitbestimmt habe.

Zeit seit der letzten Behandlung von entscheidender Bedeutung

Fand die Auffrischungsimpfung weniger als 3 Monate nach der letzten Behandlung statt lag die SARS-CoV-2-Antikörperkonzentration in der Anti-CD20-Gruppe median bei 1.590 AU/ml und in der konventionell behan­delten Gruppe bei 8.779 AU/ml.

Lag die letzte Behandlung 3-12 Monate zurück stiegen die Antikörperkonzentrationen in der Anti-CD20-Gruppe auf 2.371 AU/ml und in der konventionell behandelten Gruppe auf 11.710 AU/ml. Am stärksten war die humorale Immunantwort bei den Patienten mit der am längsten zurückliegenden Behandlung (> 12 Monate), mit einer Antikörperkonzentration von 11.149 AU/ml in der Anti-CD20-Gruppe und 16.225 AU/ml in der konventionell behandelten Gruppe.


/picture alliance, Robin Utrecht

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