Coronavarianten lassen Hospitalisierungs­raten ungeimpfter Schwangerer ansteigen

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 30. Juli 2021

Infektionen mit den SARS-CoV-2-Varianten Alpha und Delta sind bei schwangeren Frauen offenbar mit schwereren Erkrankungen und schlechteren Schwangerschaftsoutcomes assoziiert als Infektionen mit der ursprünglichen SARS-CoV-2-Variante, die an sich schon das Risiko erhöht hatte.

Impfungen schützen die Schwangeren aber effektiv vor diesen Gefahren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Universität Oxford, die als Preprint auf medRxivveröffentlicht wurde (DOI: 10.1101/2021.07.22.21261000). Eine COVID-19-Erkrankung stellt für Mutter und Kind ein signifikantes Risiko dar: Schwangere Frauen erkranken mit erhöhter Wahrscheinlichkeit schwer an COVID-19. Etwa 1 von 10 schwangeren Frauen, die mit COVID-19-Symptomen aufgenommen wird, benötigt eine intensivmedizinische Behandlung. Und 1 von 5 Schwangeren, die mit COVID-19-Symptomen hospitalisiert werden, hat eine Frühgeburt.

Im Vereinigten Königreich, wo die Studie durchgeführt wurde, wird Schwangeren zur Impfung gegen COVID-19 geraten. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) aktuell keine generelle Impfung für Schwangere. Schwangere haben aber die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Ausgewertet wurden die Daten von 3.371 Frauen, die von Beginn der Pandemie bis 11. Juli 2021 in der Schwangerschaft mit symptomatischer COVID-19-Erkrankung in ein Krankenhaus aufgenommen wurden.

Schwere der Erkrankung nimmt von Variante zu Variante zu

Die Autoren berichten, dass die Schwere der Erkrankungen bei den Frauen zugenommen habe. In der 1. Coronawelle hätten noch 24 Prozent der aufgenommenen Frauen eine moderate bis schwere Erkran­kung aufgewiesen. Nachdem Alpha sich durchgesetzt hatte, waren es schon 36 Prozent, und unter Vor­herrschaft von Delta stieg die Zahl auf 45 Prozent.

Die im Alpha-Zeitraum hospitalisierten Schwangeren benötigten häufiger Atemunterstützung, ent­wickelten häufiger eine Pneumonie und mussten häufiger auf der Intensivstation behandelt werden als Frauen in der 1. Welle. Bei Schwangeren, die seit Beginn der Delta-Dominanz ins Krankenhaus gekom­men sind, waren diese Risiken noch einmal stärker erhöht.

Kinder, die im Alpha-Zeitraum zur Welt kamen, mussten häufiger auf einer Neugeborenenstation statio­när behandelt werden als in der 1. Welle. Hier zeigte sich bisher noch kein Unterschied zum Delta-Zeitraum, doch etwa die Hälfte der in diesem Zeitraum aufgenommenen Schwangeren muss erst noch gebären.

Keine COVID-19-Hospitalisierungen nach vollständiger Impfung

Impfdaten der Schwangeren wurden ab 1. Februar 2021 erhoben. Demnach waren von 742 seither aufge­nommenen Schwangeren nur 4 geimpft und diese auch nur mit 1 Dosis. Eine vollständige Impfung hatte keine der Frauen.

Das bedeute, so die Autoren, dass 99 Prozent der schwangeren Frauen, die mit symptomatischer COVID-19-Erkrankung hospitalisiert wurden, nicht geimpft gewesen seien. Zum Vergleich: In der Allgemein­bevöl­kerung sind nur 60 Prozent der Patienten, die mit COVID-19 ins Krankenhaus kommen ungeimpft. Im Vereinigten Königreich sind bereits rund 55.000 schwangere Frauen 1- oder 2-fach gegen COVID-19 geimpft worden.

„Es sind extrem gute Nachrichten, dass so wenige geimpfte Schwangere mit COVID-19 ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten“, betont Marian Knight, Professorin für Maternal and Child Population Health am Nuffield Department of Population Health der Universität Oxford und federführende Autorin der Studie.

Doch es sei besorgniserregend, fährt die Wissenschaftlerin fort, dass die Hospitalisierungen von Schwan­geren mit COVID-19 zunähmen und dass schwangere Frauen offenbar von der Delta-Variante der Erkran­kung stärker betroffen seien.

Nutzen der COVID-19-Impfung „für Mutter und Kind eindeutig“

„Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es für schwangere Frauen ist, sich impfen zu lassen, um sich selbst und ihr Baby zu schützen“, so Knight. Bis sie geimpft seien, müssten Schwangere weiter ex­trem gut darauf achten, alle Abstandsregeln einzuhalten, eine Maske zu tragen und sich mit anderen Menschen möglichst nur draußen zu treffen.

Nicola Vousden, Erstautorin der Studie, ebenfalls von der Universität Oxford, betonte, dass weltweit mitt­lerweile 200.000 schwangere Frauen eine Impfung gegen COVID-19 erhalten hätten, 50.000 davon allei­ne im Vereinigten Königreich. Und diese Studie zeige, dass sehr wenige schwangere Frauen mit COVID-19 in ein Krankenhaus aufgenommen werden müssen, nachdem sie die Impfung erhalten haben.

Andere Studien hätten zudem gezeigt, dass geimpfte Schwangere die Antikörper an ihre Babys weiter­geben. Der Nutzen für Mutter und Kind sei eindeutig. © nec/aerzteblatt.de




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