Coronamaßnahmen: Versorgungssituation in Kliniken und Gesundheitswesen wichtigster Parameter

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 20. August 2021

Die 7-Tage-Inzidenz sollte aus Sicht der Bundesärztekammer (BÄK) bei der politischen Bewer­tung der Coronalage durch weitere Indikatoren ergänzt werden. Dafür hat sich BÄK-Präsident Klaus Rein­hardt in einer neuen Folge des BÄK-Podcasts „Sprechende Medizin“ ausgesprochen.

Es gebe unterschiedliche Vorschläge, was man zu der 7-Tage-Inzidenz hinzunehmen könnte, sagte er. Dazu gehörten die Hospitalisierungsrate, die Rate von beatmeten Patienten auf Intensivstationen, die Altersver­teilung der Infizierten.

Das seien alles Aspekte, die man in die Bewertung der aktuellen Lage mit­ein­beziehen könne. Daraus könne man ableiten, wie man eine Inzidenz im Verhältnis zu vorher bewerten müsse.

Reinhardt bringt ein hypothetisches Beispiel: „Man könnte sagen, von zehn Infizierten waren im Januar des Jahres zwei stationär behandlungsbedürftig – und einer landete auf der Intensivstation. Und jetzt stellen wir fest, dass vielleicht von 40 Infizierten zwei ins Krankenhaus kommen und einer auf der In­tensivstaton landet. Dann hätten wir den Faktor 1:4“, sagte er.

Reinhardt sprach sich für die Zukunft für eine differenzierte Betrachtung und weitere Faktoren aus. Ne­ben den genannten sei für ihn die Altersverteilung der Infizierten wichtig. Das sei von „erheblicher Be­deutung“, so der BÄK-Chef.

Der wichtigste Parameter, der beobachtet werden müsse und der aus seiner Sicht alleine dazu berech­tigt, allgemeine Maßnahmen zu ergreifen, um das Pandemiegeschehen einzugrenzen, ist aus seiner Sicht die Versorgungssituation in den Kliniken und im Gesundheitswesen.

Zwingend eingegriffen werden müsse dann, wenn ohne Gegenmaßnahmen absehbar sei, dass das Gesundheitswesen nur noch damit beschäftigt sein werde, Coronapatienten zu behandeln und andere Patienten, etwa mit Krebserkrankungen, nicht mehr versorgt werden könnten.

Reinhardt erneuerte in dem Podcast auch den Appell an die Menschen in Deutschland, sich gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 impfen zu lassen. Das sei die beste Chance, sich gegen schwere Verläufe der Erkrankung zu schützen. © may/EB/aerzteblatt.de


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