top of page

Coronalage wieder angespannt, Zunahme der Fallzahlen nicht ausgeschlossen

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 11. März 2022


Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor dem geplanten baldigen Wegfall von Co­ro­nabeschränkungen in Deutschland vor Sorglosigkeit gewarnt. „Die Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung“, sagte der SPD-Politiker heute in Berlin mit Blick auf wieder stark steigende Infektions­zahlen.

Er bezeichnete die Lage als kritisch und wandte sich gegen pauschale Einschätzungen, dass die Omi­kron-Variante milder sei. „Wir können nicht zufrieden sein mit einer Situation, wo 200 bis 250 Menschen jeden Tag sterben.“ Dies sei eine unhaltbare Lage, auf die man reagieren müsse.

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält die derzeitige Lage für angespannt und mahnt zu großer Achtsamkeit. „Nach wie vor erkranken viel zu viele Menschen schwer an COVID und nach wie vor sterben auch zu viele Menschen an dieser Erkrankung. Und nach wie vor erleiden auch viele Menschen Langzeitfolgen von COVID“, sagte Wieler heute.

Vor dem Hintergrund der zuletzt steigenden Infektionszahlen machte er erneut auf den kontinuierlich steigenden Anteil des besonders leicht übertragbaren Omikron-Subtyps BA.2 aufmerksam. Der Infek­tionsdruck, so der RKI-Chef, sei weiterhin sehr hoch.

Insbesondere in den höheren Altersgruppen steige die Hospitalisierungsrate, mahnte Wieler. Dies sei auch auf die schrittweisen Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen vielerorts und das damit verbundene veränderte Verhalten vieler Menschen zurückzuführen.

Wieler ging auch besonders auf mögliche Langzeitfolgen nach einer Infektion ein, von denen Erwach­se­ne, und – obgleich wohl seltener – auch Jugendliche und Kinder betroffen sein könnten. Ein Teil dieser Menschen bleibe längerfristig stark eingeschränkt. Die Datenlage zu den Langzeitfolgen sei aber noch begrenzt.

„Die Lage ist also weiterhin angespannt, aber wir können das Infektionsgeschehen mit unserem Verhal­ten beeinflussen“, sagte Wieler. Erneut bekräftigte er seine Impfappelle und betonte, viele schwere Ver­läufe, Todesfälle und Langzeitfolgen könnten durch die Impfung vermieden werden.

„Die Impfung ist und bleibt der beste und sicherste Weg zur Immunität“, sagte er. Er forderte auch alle Menschen auf, die weiteren bekannten Schutzmaßnahmen einzuhalten, Wachsamkeit zu bewahren und insbesondere auf besonders gefährdete Gruppen zu achten.

Der aktuelle Wochenbericht des RKI hatte gezeigt, dass die 7-Tage-Inzidenz der Coronaneuinfektionen in der vergangenen Woche in zehn von 16 Bundesländern angestiegen ist. Bundesweit sei die Inzidenz zwischen der vorletzten und der letzten Woche um zwei Prozent gewachsen.

Verantwortlich für den momentanen Anstieg der COVID-19-Fälle sei vermutlich die leichtere Übertrag­barkeit des Omikron-Subtyps BA.2 und die Rücknahme kontaktreduzierender Maßnahmen.

„Der weitere Verlauf der Pandemie hängt maßgeblich davon ab, wie sich das Verhalten in der Bevölke­rung ändert und in welchem Umfang mögliche infektionsrelevante Kontakte zunehmen“, heißt es in dem Wochenbericht. Eine weitere Zunahme der Fallzahlen könne nicht ausgeschlossen werden.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen hatte Lauterbach gestern erneut zu mehr Impfungen aufgerufen. Die Lücke sei so groß, „dass wir ohne eine deutliche Verbesserung der Impfbereitschaft und der Impfquoten im Herbst wieder erhebliche Probleme haben werden“, sagte der SPD-Politiker in Berlin.

Bekomme man die anwachsende Omikron-Welle nicht in den Griff, würden über viele Wochen hinweg jeden Tag 200 bis 300 Todesfälle zu beklagen sein. „Damit können wir uns nicht abfinden.“

Der Anteil des leichter übertragbaren Omikron-Subtyps BA.2 an einer Stichprobe ist laut Wochenbericht bis Ende Februar auf 48 Prozent gestiegen. In der Woche zuvor hatte der Wert noch bei 38 Prozent gelegen. In einer Bevölkerung mit hoher Immunität - durch Impfung oder Infektion – verursache BA.2 keine schwereren Erkrankungen als der ursprüngliche Omikron-Subtyp BA.1.



2 Ansichten0 Kommentare
Beitrag: Blog2_Post
bottom of page