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Coronaimpfungen haben in England massive Ausfälle beim Gesundheitspersonal verhindert

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 21.7.2022


Die Impfungen gegen COVID-19 haben in England bei 10 % des Gesundheitsperso­nals, das direkt mit Patienten zu tun hat, Infektionen mit SARS-CoV-2 verhindert. Ohne die Impfungen wären die Personalaus­fälle in der 2. Pandemiewelle um 69 % höher gewesen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine im BMJ veröf­fent­lichte Studie britischer Forscher (2022, DOI: 10.1136/bmj-2022-070379).

Diane Pople von der UK Health Security Agency in London und ihre Kollegen berichten darüber hinaus, dass das Infektionsrisiko beim Gesundheitspersonal mit jedem Tag ohne COVID-19-Impfung um 2 % angestiegen sei.

Die Forscher um Pople analysierten die Daten von 18.284 medizinischen, unterstützenden und administrati­ven Mitarbeitern in 105 Krankenhäusern des National Health Service (NHS). Die Analyse ist Teil der SARS-CoV-2 Immunity and Reinfection Evaluation (SIREN)-Studie.

Untersuchung des Impfeffekts in der 2. Pandemiewelle in England

Die Studienteilnehmer – allesamt zuvor noch nicht mit SARS-CoV-2 infiziert – machten Anga­ben zu Demogra­phie, Lebensumständen und beruflicher Tätigkeit sowie ihrem Impfsta­tus. Darüber hinaus wurden alle 2 Wo­chen PCR-Tests und 1-mal im Monat Antikörpertests durchgeführt. Der Studienzeitraum umfasst die 2. Pande­miewelle in England von 1. September 2020 bis 30. April 2021.

Insgesamt 2.353 (13 %) der Studienteilnehmer infizierte sich in der 2. Welle mit SARS-CoV-2. Ihr Maximum erreichten die Infektionen im Dezember 2020, ab Januar 2021 nahmen sie wieder ab. Dies steht im Einklang mit der raschen Durchimpfung des Gesundheitspersonal und dem damaligen landesweiten Lockdown.

Persönliche und berufliche Faktoren erhöhen das Infektionsrisiko

Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöhten, waren ein Alter unter 25 Jahren, in einem Haushalt mit mehr als 5 Personen zu leben, häufiger Kontakt mit COVID-19-Patienten, in einer Notaufnahme oder auf einer Krankenhausstation zu arbeiten und eine Assistenztätigkeit in der Gesundheitsversorgung auszuüben.

Stark mit dem Infektionsrisiko assoziiert war aber auch die Zeit bis zur 1. Impfung: Pro Tag ohne Impfung stieg das Infektionsrisiko eines Studienteilnehmers um 2% an. Modell­rechnungen zeigen, dass 10 % mehr des Krankenhauspersonals mit direktem Patienten­kontakt sich infiziert hätte, wenn die Impfungen nicht so rasch durchgeführt worden wären.

Kausaler Zusammenhang naheliegend, aber nicht bewiesen

Da es sich bei SIREN um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang ableiten. Unterschiede beim Infektionsschutz in den Krankenhäusern sowie Unterschiede im Verhalten der Studienteilnehmer könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.

Dennoch betonen die Forscher um Pople, dass diese Studie „die Bedeutung der Impfung des Gesundheitspersonals während einer signifikanten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie in England bestärkt hat“.

Erinnerung an erhöhtes berufsbedingtes Infektionsrisiko einiger Gruppen

In einem begleitenden Editorial schreibt der Mikrobiologe Aodhán S. Breathnach von der Infection Care Group des St George’s University Hospitals NHS Foundation Trust in London: „Diese Ergebnisse erinnern uns daran, dass einige Mitarbeitergruppen ein höheres Risiko für eine berufsbedingte COVID-19-Infektion (und vermut­lich andere Atemwegsinfektionen) haben – trotz der Verwendung persönlicher Schutzausrüstung, wie sie zu der Zeit angeraten war.“

Dies werfe die Frage auf, ob Impfstoffe und Immunität zur Infektionsabwehr ausreichten, oder ob in Hoch­risiko­bereichen der Gesundheitsversorgung striktere Maßnahmen wie eine bessere persönliche Schutzaus­rüstung und Belüftung nötig seien.


/dpa, Marijan Murat

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